Gewässer

Emscher

Die Emscher ist ein Gewässer II Ordnung. Ihre Gewässerkennzahl ist 2772. Die Fließlänge beträgt 83,1 km (entsprechend ATKIS-Gewässerstationierung, dritte Auflage, Stand: Dezember 2002). Ihre Quelle liegt in Holzwickede und sie mündet bei Dinslaken in den Rhein (Rhein-km 814,4).

Aus orografischer Sicht zählt die Emscher zu den Flachlandgewässern. Sie weist einen Höhenunterschied von 123 m von der Quelle (144 m ü. NN) bis zur Mündung (21 m ü. NN) auf. Daraus ergibt sich ein mittleres Gefälle von 1,5‰. Bereits auf den ersten 9 km ab der Quelle - am Rande des Ardeygebirges - überwindet die Emscher ein Gefälle von ca. 40 m. Für die restliche Fließstrecke resultiert daraus ein geringeres Gefälle von unter 1 °/00.

Die Emscher verläuft im Oberlauf von Süd nach Nord, auf der restlichen Fließstrecke von Ost nach West. Im Bereich des oberirdischen Oberlaufs - bis ca. Dortmund-Schönau – ist die Emscher bis 3 Meter breit. Von Dortmund-Schönau bis Dortmund-Deusen beträgt die Breite zwischen 3 und 6 Meter. Von Dortmund-Deusen bis Henrichenburg sowie im Mündungsbereich ab Dinslaken-Barmingholten weist sie Breiten zwischen 6 und 12 Metern auf. Für den Abschnitt von Henrichenburg bis Dinslaken nimmt die Breite von ca. 12 bis 15 Meter auf ca. 25 Metern zu. Bei Mittelwasserführung hat die Emscher eine mittlere Abflusstiefe von ca. 1 bis 3 m.

Der "natürliche" mittlere Abfluss der Emscher liegt mit ca. 2000 l/s verhältnismäßig niedrig. Auf Grund der starken von Menschen verursachten Einwirkungen auf die Emscher liegt der gegenwärtige mittlere Abfluss jedoch um ca. das fünffache höher als der natürliche Abfluss. Grund ist, dass große Mengen des Trinkwassers im Einzugsgebiet der Emscher aus der benachbarten Ruhr stammen. Die Abwässer, die aus diesem Trinkwasser entstehen, fließen der Emscher zu und erhöhen somit die natürliche Abflussmenge (www.emscher.nrw.de).

Historische Entwicklung der Emscher

Aus flussmorphologischer Sicht ist die Emscher durch technischen Ausbau geprägt. Wie auf der Internetseite www.emscher.nrw.de beschrieben, war die Emscher bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein langsam fließender Flachlandfluss mit einer Lauflänge von ca. 109 km. Da das Gefälle der Emscher im überwiegenden Teil der Fließstrecke weniger als 1%0 beträgt, war das Einzugsgebiet relativ breit, was zu einem ausgeprägt gewundenen Lauf und häufigen Überschwemmungen führte.

Im Zuge der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung - mit der dadurch stark zunehmenden Besiedlung - wurde die Emscher als Abwasserkanal für die großen Industriestädte, den Bergbau und die Industriebetriebe verwendet. Infolge der damit einhergehenden Schadstoffeinträge starb praktisch die gesamte Flussfauna der Emscher innerhalb weniger Jahre aus. Der Bergbau im Ruhrgebiet brachte zusätzlich eine besondere Abwasserproblematik mit sich: Aufgrund der Bergsenkungen von teilweise über 20 m trat eine Vorflutstörung ein. Die Emscher dehnte sich bei Hochwasser breiter und langanhaltender aus. Durch die Schadstoffbelastung im Wasser und im zurückbleibenden Schlamm führten die Hochwasserereignisse zusätzlich zur verstärkten Ausbreitung von Epidemien. Um diese Probleme zu beseitigen, begann der technische Emscherausbau. Auf Grund der Bergsenkungen war eine Verrohrung der Emscher und ihrer Nebenläufe nicht möglich. Die Gewässer wurden kanalisiert, um die anfallenden Niederschlags- und Abwässer zügig abzutransportieren. Zusätzlich wurde die Emscher angehoben und eingedeicht. Das Emschersystem entwickelte sich zu einem offenen Schmutzwassergerinne.

Zu den durchgeführten Flussregulierungen zählten auch zahlreiche Begradigungen und Umbaumaßnahmen. So musste beispielsweise - infolge der durch den untertägigen Steinkohlenabbau eintretenden Bergsenkungen - der Lauf der unteren Emscher zweimal nach Norden verlegt werden. Von den beiden bei der Flussverlegung entstandenen Altarmen der Emscher hat keiner mehr eine offene Anbindung sowohl zurEmscher als auch zum Rhein. Die Fließstrecke der Emscher verlängerte sich durch diese Verlegungen auf knapp 85 km. Dies entspricht einer Reduzierung der Fließlänge im Vergleich zum ursprünglichen Zustand von 20 %.

Von Menschen verursachte Belastung der Emscher

Durch den Ausbau des Emschersystems konnte die Abwasser- und Überschwemmungsproblematik in dem durch Bergbau, Stahl- und chemische Industrie geprägten Ballungsraum zwar behoben werden, die Wasserqualität blieb jedoch bis in die jüngere Vergangenheit auf Grund der zahlreichen industriellen und kommunalen Einleitstellen sehr schlecht. Durch die Inbetriebnahme von drei Abwasserbehandlungsanlagen (Kläranlage Dortmund-Deusen, Kläranlage Bottrop und Klärwerk Emschermündung) konnte die Belastung der Emscher mit Industriechemikalien und Nährstoffen bereits stark reduziert werden. Die Niedrigwassermenge der Emscher besteht jedoch auch gegenwärtig noch zu 80% aus Grubenwässern, kommunalen und industriellen Abwässern (LUA NRW, 2001).

Ökologische Verbesserung/Umbau des Emschersystems

Durch Inbetriebnahme der drei o. g. Abwasserbehandlungsanlagen konnte die Belastung der Emscher mit Chemikalien und Nährstoffen reduziert werden. In einigen hochbelasteten Nebenläufen muss die Konzentration toxischer Stoffe noch erheblich verringert werden. Zudem steht ein unfassendes Grubenwasserkonzept für die Emscher-Lippe-Region aus.

Durch den Bau des parallel zur Emscher verlaufenden zentralen Abwasserkanals, der die Gebiete der Großstädte Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Bochum und Bottrop sowie weiterer Mittelstädte im Ruhrgebiet ganz oder teilweise entwässern wird, wird die Wasserqualität in der Emscher deutlich verbessert.

Ziel des ökologischen Umbaus der Emscher soll nicht nur eine verbesserte Wasserqualität sein. Auch die Umgestaltung des Flussbettes in einen naturnäheren Zustand ist geplant. Das Entflechtungskonzept der Emschergenossenschaft umfasst im Wesentlichen die Rückführung des offenen Abwasser-Gewässersystems in getrennte Abwasser- und Gewässersysteme. Alle 24 Pumpwerke, die Wasser aus Nebenläufen oder Polderflächen in die Emscher leiten, werden in das Entflechtungskonzept einbezogen. Alle hier beschriebenen Maßnahmen sind auch Teil des Masterplanes.

Nachdem die Bergsenkungen entlang der Emscher abgeklungen sind, besteht kein Anlass mehr für eine offene Abwasserableitung. Schrittweise sollen geschlossene Abwasserkanäle gebaut und im Anschluss daran das künstliche Flussbett der Emscher und ihrer Nebenläufe ökologisch verbessert und zu mehr Naturnähe umgestaltet werden. Betonschalen werden entfernt, so dass die Gewässer wieder in einem geschwungeneren Lauf fließen können. Auf diese Weise sind bereits der Deininghauser Bach (Castrop-Rauxel), der Dellwiger Bach (Dortmund) und der Läppkes Mühlenbach (Oberhausen) umgebaut worden.

Die Strukturgüte der Emscher wird durch die geplanten Maßnahmen im Rahmen des Emscherumbaus deutlich verbessert werden.

Durch die geplanten Maßnahmen im Rahmen des Emscherumbaus, besonders die Inbetriebnahme des Abwasserkanals Emscher, wird sich die Gewässergüte der Emscher grundlegend verbessern.

Zahlreiche Nebenläufe führen der Emscher ihr Wasser zu. Die folgende Abbildung und die anschließende Tabelle im PDF-Format führen die wichtigsten Nebenläufe auf. Einige Informationen über die der Emscher zufließenden Abflussmengen können der Anlage "Bemessungswassermengen" entnommen werden.