Abwasserableitung

Wohin mit dem Schmutzwasser?

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stanken die Zustände in Deutschland zum Himmel. Schmutzwasser und zum Teil auch Fäkalien wurden in den Städten bedenkenlos über die Rinnsteine entsorgt. Die Oberflächengewässer übernahmen diese unschöne Fracht – aus den Augen, aus dem Sinn.

Natürlich versickerte ein Teil des Abwassers und verseuchte das Grundwasser. In der Emscher-Lippe-Region brachten zudem bergbaulich bedingte, großflächige Bergsenkungen häufig den Wasserabfluss ganz zum Erliegen. Verheerende Schmutzseuchen waren die Folge. Nur ein Gesamtkonzept für die Region, das Abwasserbeseitigung und Reinigung, Entwässerung und Hochwasserschutz regelt, konnte die Situation für die Bevölkerung an den Flüssen nachhaltig verbessern. Das übernahm 1899 die EMSCHERGENOSSENSCHAFT für die Emscher-Region. Der LIPPEVERBAND folgte 1926.

Im Zuge des Bergbaus wurden die Fliessgewässer zu langgezogenen, offenen Abwassersammlern ausgebaut, die Niederschläge und Schmutzwasser sicher abtransportierten. Die Seuchengefahr war gebannt. Heute kann das Schmutzwasser aus den Wasserläufen ferngehalten werden. Es wird durch unterirdisch angelegte Kanäle der Kläranlage zugeleitet. Die abwasserfreien Wasserläufe haben nun die Chance auf eine naturnahe Umgestaltung. Damit werden sie für die Bevölkerung als lebendige Elemente einer Flusslandschaft neu erlebbar.