Die neue Emscher

Der Emscher-Umbau ist eine planerische und technische Herausforderung, die auch im europäischen Maßstab ihresgleichen sucht. Auf über 80 Kilometern Länge soll mitten im größten Ballungsraum Europas ein Fluss zurückkehren, der heute nur als offener Abwasserlauf existiert. Mit einem Investitionsvolumen von 4,5 Milliarden Euro und einer Projektlaufzeit von mehreren Jahrzehnten ist der Emscher-Umbau eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Investitionen in dieser Höhe haben einen spürbaren Einfluss auf die Wirtschaft der Region. Allein schon durch die wasserwirtschaftlichen Infrastrukturmaßnahmen werden in Nordrhein-Westfalen jährlich mehrere Tausend Arbeitsplätze pro Jahr neu geschaffen oder gesichert. Die Bedeutung des Umbauprojekts geht jedoch weit über unmittelbare Beschäftigungseffekte hinaus. Die Aufwertung der Emscherregion durch eine neue Arbeits- und Lebensqualität bietet große Chancen, die Attraktivität des Standorts Ruhrgebiet nachhaltig zu verbessern und auf diese Weise die Standortentscheidungen von innovationsorientierten Unternehmen positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus wird der erfolgreiche Umbau eines so großen Fluss-Systems eine Signalwirkung für vergleichbare wasserwirtschaftliche und städtebauliche Großprojekte in ganz Europa haben.

links: Die Emscher heute, rechts: Vision

Der Gewässerumbau erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Phasen, die teilweise bereits abgeschlossen sind:

Kläranlagen

Erster Schritt ist die Dezentralisierung der Abwasserreinigung. Die Abwässer werden nicht mehr nur an der Rheinmündung der Emscher, sondern auch in der Region selbst geklärt. Seit der offiziellen Eröffnung des erweiterten Klärwerks Emschermündung im Juli 2001 ist diese Projektphase abgeschlossen; die gesamte für das neue Emschersystem benötigte Reinigungskapazität von rund 4,8 Millionen Einwohnergleichwerten steht inzwischen zur Verfügung. Insgesamt bewältigen vier biologische Großkläranlagen die häuslichen und industriellen Abwässer der Emscherregion. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist in der Region bereits heute spürbar – auch in den Sommermonaten geht inzwischen von der Emscher kaum noch eine Geruchsbelästigung aus.

Abwasserkanäle

Mit dem Abschluss des Bauprogramms für Kläranlagen haben sich unsere Anstrengungen auf den Bau unterirdischer Abwasserkanäle entlang der Gewässer verschoben. Auch dieses Teilprojekt ist bereits ein gutes Stück weit vorangetrieben – von insgesamt 400 Kilometern Abwasserkanälen sind mehr als 190 Kilometer einschließlich der dazugehörigen Regenwasserbehandlungsanlagen fertig gestellt. Die meisten der bereits gebauten Kanäle entstanden bisher an den Nebenläufen der Emscher. Inzwischen wurde aber auch an der Emscher selbst mit dem Bau von Abwasserkanälen begonnen.

Ökologische Verbesserung der Gewässer

Sind die Gewässer von ihrer Abwasserfracht befreit, so können sie naturnah umgestaltet werden. An Gewässern wie dem Deininghauser Bach in Castrop-Rauxel, am Dellwiger Bach in Dortmund, am Läppkes Mühlenbach in Oberhausen und am Vorthbach in Bottrop ist der Umbau auf weiten Strecken bereits vollzogen. 2011 wird dies auch für den Emscherhauptlauf von der Quelle in Holzwickede bis Dortmund-Deusen auf 23 Kilometern Länge umgesetzt sein. Pflanzen- und Tierwelt haben in den ökologisch verbesserten Gewässerabschnitten begonnen, ihren Lebensraum zurückzuerobern. Auch die Menschen der Region entdecken den Freizeitwert der neuen Oasen vor ihrer Haustür. Die Gewässer sind wieder zugänglich und durch die Umgestaltung der Betriebswege zu Rad- und Fußwegen auch gut erschlossen.

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