Der Masterplan „Emscher-Zukunft“

Zentrales Instrument für den Dialog aller Beteiligten ist der Masterplan „Emscher-Zukunft“. Als anpassungsfähige, flexibel agierende und reagierende Planungsplattform sorgt der Masterplan für einen tragfähigen Konsens zwischen den Akteuren und schafft Impulse für neue Projekte. Der Masterplan kann und soll das formelle Planungsverfahren nicht ersetzen. Vorhandene rechtsgültige Planungen werden aber in den Masterplan aufgenommen; im Gegenzug können aus Zielsetzungen des Masterplans Inhalte für planrechtliche Verfahren abgeleitet werden.

Alte Emscher Duisburg

Der Weg zum Masterplan

Die Grundlagen für den Masterplan „Emscher-Zukunft“ wurden 2003 in einem interdisziplinären Wettbewerb geschaffen. Die Jury entschied sich für einen Lösungsansatz, der die Neue Emscher mit ihren begleitenden Freiräumen und urbanen Anbindungen als Kabelstrang versteht, der Impulse für die Entwicklung des Neuen Emschertals schafft. Die Idee des Kabelstrangs wurde nach dem Wettbewerb auf räumliche Entwicklungspotenziale übertragen. Ergebnis der intensiv im Dialog abgestimmten Raumanalyse war 2005 ein Masterplanentwuf im Maßstab 1:40.000. Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Entwurfs im Februar 2005 begann die Überprüfung, Konkretisierung und programmatische Weiterentwicklung im Maßstab 1:5.000. Dies Entwicklungskonzept bildete die Grundlage für erneute Abstimmungsgespräche mit den Emscherstädten, Kreisen und industriellen Mitgliedern der EMSCHERGENOSSENSCHAFT, so dass nun auch verbindliche Planungen und Projekte in den Masterplan einflossen. Zusätzlich wurde der Emscher-Oberlauf in die Planung einbezogen, so dass der fortgeschriebene Masterplan nun den gesamten Emscherlauf einschließlich der Trasse für den Emscher-Kanal umfasst.

Acht Leitthesen für die Planung

Dem Masterplan „Emscher-Zukunft“ liegen acht Leitthesen zu Grunde. Sie setzen Maßstäbe für Hochwasserschutz und Hochwassersicherheit, für die ökologische Entwicklung des Gewässersystems, für die freiräumliche Vernetzung mit dem Umfeld, für wirtschaftliche Entwicklungschancen und die Wertsteigerung von Flächen am Wasser sowie für eine klare, unverwechselbare, hochwertige Formensprache bei der Gestaltung der Freiraumstrukturen:

1. Die Hochwassersicherheit bleibt hervorragend

Der Hochwasserschutz an der Emscher ist bereits heute gut ausgebaut und wird sich zukünftig noch weiter verbessern. Hochwasserrückhaltebecken an der Emscher und an den Nebenläufen nehmen im Bedarfsfall große Abflussmengen auf. Regenwasserversickerung und Retention in der Fläche unterstützen diese Rückhaltefunktion.

2. Das ökologische Potenzial wird ausgeschöpft

Die Emscher wird auch in Zukunft Vorflutaufgaben in einer intensiv genutzten Landschaft übernehmen. Durch die Befreiung der Emscher vom Abwasser bietet sich die Möglichkeit, ein Gewässer mit guten ökologischen Potenzialen zu entwickeln. Diese Potenziale sollen nachhaltig gefördert und gesichert werden. An der Neuen Emscher entsteht eine vielfältige Auenlandschaft, in der sich zahlreiche im und am Gewässer lebende Arten ansiedeln werden.

3. Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten erhöhen die Nutzungsqualität

Die Emscher wird sich von einem isolierten Meideraum zu einem in Stadt und Landschaft eingebundenen Flusslauf entwickeln. Im Neuen Emschertal entsteht ein optimiertes, auf die regionalen und lokalen Anziehungspunkte abgestimmtes Wegenetz. Ein grünes Band mit Spielplätzen und Erholungsräumen wird mit großflächigen Parkanlagen verknüpft. Neue Emscher und Rhein-Herne-Kanal bieten den Menschen eine hohe Erholungs- und Freizeitqualität.

4. Lebensqualität und neue wirtschaftliche Potenziale

Wasser ist ein wichtiges Element in der Lebensumwelt des Menschen. Es bedeutet
Erholung, ist Anziehungspunkt und schafft Lebensqualität. Im nördlichen Ruhrgebiet
wird die Neue Emscher das Umfeld auf rund 85 km Länge nachhaltig verändern. Das Neue Emschertal schafft neue Möglichkeiten für Erholung, kulturellen Austausch und das Wohnen und Arbeiten am Wasser. Der Standort Neues Emschertal macht den Ballungskern des Ruhrgebietes als lebendige, grüne Achse attraktiv. Dies kann zu einer Aufwertung der angrenzenden Flächen führen und neue Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region bedeuten.

5. Stolz auf die eigene Geschichte in einem neuen gestalterischen Kontext

Die Neue Emscher nimmt die prägenden Elemente der Region mit in ihre Zukunft. Die
umgestaltete Emscher wird auch weiterhin von zahlreichen Einrichtungen der flussbezogenen Infrastruktur wie Brücken, Pumpwerken, Schachtstandorten und Kläranlagen begleitet. Ihre Architektur und städtebauliche Einbindung dokumentieren
die technische Kulturgeschichte im Neuen Emschertal. Einige dieser Bauwerke und
Zeitzeugen werden schon bald zugänglich und erlebbar sein.

6. Klare lineare Gestaltungselemente betonen Durchgängigkeit des Freiraum- und Biotopverbundes

Die Siedlungslandschaft entlang der Emscher ist vielfältig und komplex. Eindeutige
Strukturen mischen sich mit kaum überschaubaren Bereichen, vieles ist im Umbruch. Die Neue Emscher setzt daher bewusst auf klare, lineare Gestaltungselemente. Der Strom der Bäume ist ein markantes Zeichen für dieses Ordnungsprinzip, das als durchgängiges Thema auf Stadtteile und dazugehörige Freiräume im gesamten Neuen Emschertal ausstrahlen wird.


7. Wiedererkennbare Material- und Formensprache sorgt für unverwechselbares Gesicht

Das Böschungs- und Deichprofil geben der Emscher bereits heute ein prägnantes Erscheinungsbild. Die Neue Emscher wird dieses Profil aufnehmen und weiterentwickeln. Deiche und Böschungen werden dabei so gestaltet, dass sie von Anwohnern und Besuchern besser genutzt werden können. Wege, Bänke und Aufenthaltsbereiche werden einheitlich entwickelt. Jeder, der sich in dieser Landschaft bewegt, soll spüren, dass er sich an der Neuen Emscher befindet. Die durchgehende Gestaltungshandschrift mit wiederkehrenden Elementen erzeugt eine eigenständige Corporate Architecture als Markenzeichen für die Neue Emscher.

8. Eigenständige Attraktion, Identifikationsobjekt und Wirtschaftsplattform

Das Neue Emschertal wird attraktiv für alle seine Bewohner. Es wird aber auch viele
Menschen anziehen, die seine Verwandlung sehen und erfahren möchten. Auf diese
Weise eröffnet der Emscher-Umbau vielfältige Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung in der gesamten Region. Herzstück des Neuen Emschertals und Rückgrat des Emscher Landschaftsparks sind die Stadt- und Landschaftsräume an der Neuen
Emscher. Der Rhein-Herne-Kanal wird die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten mit wasserbezogenen Highlights wie Bootshäfen und Freizeitbäder erweitern. Das Nebeneinander von Natur und Technik, von Geschichte und Entwicklungspotenzialen
wird zum zentralen Identitätsmerkmal des Neuen Emschertals.

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