ESSEN MACHT’S KLAR: WENIGER MEDIKAMENTE IM ABWASSER

Beeindruckende Zahl: Rund 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe lassen sich derzeit in deutschen Gewässern nachweisen. Eine Belastung für den Wasserkreislauf, denn auch mit moderner Klärtechnik sind diese sogenannten Spurenstoffe nicht völlig aus dem Abwasser herauszufiltern. Fauna und Flora der Gewässer reagieren empfindlich auf solche Rückstände – was also kann man dagegen tun? Diese Frage stellt das Kooperationsprojekt „Essen macht’s klar“, das die EMSCHERGENOSSENSCHAFT, der Ruhrverband und die Stadt Essen im Juni des „Grüne-Hauptstadt-Jahres“ 2017 gestartet haben. Das Ziel: Es gilt, die Bevölkerung in Essen dafür zu sensibilisieren, Arzneimittelreste oder abgelaufene Medikamente nicht über die Toilette oder den Abfluss zu entsorgen – was leider aus Unwissenheit oftmals passiert. Der richtige Weg: Ab damit in den Hausmüll! Bis Dezember 2018, dem Ende des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts, soll das Thema in möglichst vielen Köpfen der Stadt präsent sein und so zu einer Verhaltensänderung beitragen.

Das kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Stimmt! In der Fließend Lernen News haben wir regelmäßig über ein ähnliches Projekt in Dülmen berichtet, nämlich zu „Den Spurenstoffen auf der Spur“ des LIPPEVERBANDS (mehr dazu auf unserer Projektseite). Jetzt heißt es, die Menschen in einer Großstadt zu erreichen und hier weitere Erfahrungen zu sammeln. Denn: Das Essener Projekt soll nach seinem Abschluss auch auf andere Städte und Gemeinden übertragbar sein. Damit lässt sich eine noch nachhaltigere Wirkung schaffen.

Wie wird die Öffentlichkeit informiert? Was ist alles geplant? Alle Projektfacts und Termine von Infoveranstaltungen finden sich auf der Website machts-klar.de und werden über Social-Media-Kanäle wie Facebook kommuniziert. Zudem sind gemeinsame Aktionen mit Apotheken und Arztpraxen in Vorbereitung.

Ein wichtiger Multiplikator: die Bildungsarbeit

Für noch mehr Breitenwirkung soll die Bildungsarbeit sorgen: Dazu zählen ein Lernmodul für die Ausbildung zum/r pharmazeutisch-technischen Assistenten bzw. Assistentin, ein Lehr-Lernmodul für die Weiterbildung in der Berufspädagogik für Pflegeberufe sowie eine Lehreinheit, die in die Ausbildung zur Altenpflege, Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege integriert wird. Darüber hinaus wird es Weiterbildungsmaßnahmen für die breite Bevölkerung und natürlich Angebote für schulische und universitäre Bildung geben.

Studentin Julia Joost von der Didaktik der Biologie der Uni Duisburg-Essen erläutert bei der Auftaktveranstaltung zu „Essen macht’s klar“ Experimente für Schülerinnen und Schüler zu dem wichtigen Thema. Foto: Kirsten Neumann / Emschergenossenschaft

So hat die EMSCHERGENOSSENSCHAFT gemeinsam mit der Didaktik der Biologie der Universität Duisburg-Essen die Projektbox „Auf Spurensuche – Medikamente und andere Stoffe im Wasser“ entwickelt. Ihr Inhalt soll Essener Lehrkräfte dazu motivieren, die Thematik rund um Trinkwasser, Abwasserreinigung und Medikamentenrückstände passend zum Lehrplan und mit tollen Experimenten ganz praxisorientiert zu vermitteln. Die Projektboxen gibt es für 9- bis 12-jährige Kinder und für die Sekundarstufe I. Sie sind kostenfrei bei der Biologiedidaktik auszuleihen. Zudem gibt es das Angebot, dass Studierende die Schülerinnen und Schüler bei einem Projekttag in der Schule mittels der Experimente aus der Box für das Thema sensibilisieren.

Spannende Fortbildungen für Lehrkräfte

Sie würden gerne mehr über dieses interessante Thema erfahren und die Projektbox einmal ausprobieren? Dann sollten Sie sich gleich zu einer der beiden Fortbildungen anmelden, die auf dem Essener Campus der Uni stattfinden: am 09. Oktober 2017 (Box für die Sekundarstufe I) und am 04. Dezember 2017 (Box für 9- bis 12-jährige Kinder), jeweils von 14:30 bis 17:30 Uhr. Alle Infos zu den Fortbildungen und Anmeldung auf der Website der Didaktik der Biologie der Universität Duisburg-Essen.

Übrigens: Für Essener Schulen wird der Fortbildungsbeitrag aus dem Projekt bezahlt, für alle anderen Schulen fällt ein reduzierter Beitrag von 25 Euro pro Person an.