Oberhausen: Abwasserkanal Emscher: Diesmal ist alles anders…

Oberhausen. Der Bau des finalen Abschnitts des Abwasserkanals Emscher (AKE) hat Oberhausen nun aus Richtung Dinslaken erreicht. Ausgehend von ihrem Klärwerk Emschermündung arbeitet sich die Emschergenossenschaft zurzeit durch Oberhausen-Holten nach Biefang vor. Rund 150 von insgesamt 3200 Metern liegen bereits. Vieles ist hier jedoch anders: Unter anderem werden diesmal keine runden Rohre verlegt, sondern eckige Kastenprofile!

Fotos der aktuellen Baumaßnahme – sie zeigen die Verlegung der Kastenprofile sowie die Vorbereitung der Trasse parallel zur Emscher (Fotos: Rupert Oberhäuser/EGLV).

Fotos der aktuellen Baumaßnahme – sie zeigen die Verlegung der Kastenprofile sowie die Vorbereitung der Trasse parallel zur Emscher (Fotos: Rupert Oberhäuser/EGLV).

Wieso aber rechteckige Rohre? Ganz einfach: aus simplen Platzgründen! Ein Kastenprofil (Innenmaße: 2,45 m Höhe; 2,25 m Breite) nimmt weniger Platz ein als zwei runde Kanalrohre, die einen bestimmten Mindestabstand zueinander einhalten müssen. Und da der Emschergenossenschaft auf der Strecke zwischen dem Pumpwerk Oberhausen (im Holtener Bruch) und dem Klärwerk Emschermündung in Dinslaken der Platz fehlt, haben sich die Flussmanager für das Kastenprofil entschieden. Die Emschergenossenschaft investiert rund 36 Millionen Euro in den Bau dieses letzten AKE-Abschnitts.

Im Übrigen sind noch zwei weitere Dinge in diesem Abschnitt anders: Der Kanal wird hier nicht unterirdisch vorgetrieben, sondern in offener Bauweise verlegt – da er nur unmittelbar unter der Erdoberfläche liegt, lohnt sich hier kein unterirdischer Vortrieb. Zum Vergleich: Der weiter östlich liegende Teil des AKE lag in Tiefen bis zu 40 Metern. Ebenfalls anders ist darüber hinaus die Fortbewegungsrichtung, denn der „hochliegende“ AKE wird aktuell entgegen der späteren Fließrichtung verlegt. Für die Trasse des neuen Kanals musste die Emschergenossenschaft vorab rund 190.000 Tonnen Boden ausheben.

Hintergrund
Der Abwasserkanal Emscher ist insgesamt 51 Kilometer lang. Er beginnt in Dortmund-Mengede und führt in Tiefenlagen zwischen acht und 40 Meter quer durchs gesamte mittlere Ruhrgebiet bis nach Dinslaken. Der AKE ist die künftige abwassertechnische Hauptschlagader des Reviers. Wenn er 2020/2021 in Betrieb genommen wird, nimmt er das Schmutzwasser aus der Emscher auf. Das Gewässer wäre dann vom Abwasser befreit.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.