Bottrop: Land NRW fördert Maßnahme: Kornbach wird bald wieder das Tageslicht erblicken

Bottrop. Im Rahmen der von der Emschergenossenschaft ins Leben gerufenen Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ fördert das Land Nordrhein-Westfalen zahlreiche Projekte in der Region finanziell. Eines davon ist das Vorhaben der Stadt Bottrop im Nachtigallental. Es erhält eine Förderung in Höhe von 2,2 Millionen Euro.

Foto: Klaus Baumers / Emschergenossenschaft

Foto der trockenen Gewässerrinne des Kornbachs (Foto: Klaus Baumers / Emschergenossenschaft)

Im April 2016 haben die Emschergenossenschaft und das Land NRW den Projektaufruf im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ gestartet. Die Partnerkommunen wurden gebeten, entsprechende Ideen einzureichen. „Uns haben sehr viele Entwürfe erreicht. Die Besten wollen wir unterstützen, denn wir benötigen lebendige und lebenswerte Städte. Auch, um uns damit den Herausforderungen des Klimawandels und den sich ändernden Ansprüchen an unsere Städte zu stellen“, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

„Von dem Projekt der Stadt Bottrop im Nachtigallental profitieren auch wir bei der Emschergenossenschaft, denn das abgekoppelte Regen- und Grundwasser kommt unserem Fluss zu Gute. Dort, in das Gewässer, gehört sauberes Wasser auch hin – und nicht in einen Abwasserkanal. Deshalb begrüße ich die fachübergreifenden und interkommunalen Planungen bei der Zukunftsinitiative ,Wasser in der Stadt von morgen‘, denn sie führt unter anderem Themen wie Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Klimaanpassung zusammen“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Für Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler ist nicht nur die finanzielle Förderung des Landes ein guter Grund, sich zu freuen: „Mit der Umsetzung dieses Projektes feiern wir nicht weniger als die Wiedergeburt eines vor langer Zeit von der Bildfläche verschwundenen Gewässers. Der Kornbach wird durch diese Maßnahme ans Tageslicht zurückgeholt und offen in Richtung Emscher fließen. Jeder Tropfen sauberes Wasser bedeutet für die in einigen Jahren abwasserfreie Emscher eine Art Frischzellenkur. Damit leisten wir als Stadt Bottrop einen immens wichtigen Beitrag zur Revitalisierung des Emschersystems.“

Das Projekt im Nachtigallental
Das Projektgebiet „Nachtigallental“ liegt im Bottroper Ortsteil Vonderort und umfasst eine Fläche von rund 2,27 Quadratkilometer. Im Gebiet ursprünglich vorhandene Gewässer und Quellen wurden im Zuge der Industrialisierung und des zugehörigen Eisenbahnwegebaus überformt: Der Kornbach, der sich in dem Taleinschnitt des Nachtigallentals befunden hat, wurde verrohrt und zu einem Bestandteil des städtischen Mischwassernetzes. Noch vorhandene Grabenfragmente im Süden des Gebietes sind heute noch an die Mischwasserkanalisation angeschlossen, die im Süden des Gebietes an den verrohrten genossenschaftlichen Vorfluter „Sammler Vonderort“ übergeben wird.

Im Rahmen des Förderprojektes wird der vorhandene Mischwasserkanal aus der Trasse des ehemaligen Kornbaches im Nachtigallental entfernt und parallel neu errichtet. Grundwasser, das zuvor durch den maroden Mischwasserkanal aufgenommen wurde, fließt künftig wieder offen ab. Der so aktivierte neue Kornbach wird offen in Richtung Süden geführt und an den dort vorhandenen Graben im Bereich des Stadtteils Vonderort angeschlossen. Weitere von Süden kommende Grabenfragmente werden ebenfalls angeschlossen.

Über den künftig als Reinwasserlauf umfunktionierten genossenschaftlichen Sammler Vonderort wird das Reinwasser der Emscher zugeführt. Das neue Gewässersystem bietet neben der getrennten Ableitung von Reinwasser auch eine Vorflut für das Regenwasser der befestigten Flächen des nördlich angrenzenden Wohngebietes sowie für künftige Neubaugebiete.

Insgesamt wird durch die Maßnahme ein natürliches Einzugsgebiet von rund 70 Hektar und befestigte Flächen von rund 8 Hektar von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt. Die Kosten für diese Maßnahmen betragen rund 2,6 Millionen Euro. Die Maßnahme wird vom Land NRW gemäß der Förderrichtlinie Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ zu 80 Prozent gefördert (2,2 Millionen Euro). Hinzu kommt noch die Erneuerung des Mischwasserkanals, die jedoch nicht Bestandteil der Förderung ist.

Die Zukunftsinitiative
Die Stadt Bottrop hat im Mai 2014 im Rahmen der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung der Emscherkommunen, der Emschergenossenschaft und des Landes NRW (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) ihre Mitwirkung an der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ erklärt. Aus der reinen Absichtserklärung ist mittlerweile eine feste Kooperationserklärung geworden – im Dezember 2016 wurde sie im BernePark von Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft, und Klaus Müller, Technischer Beigeordneter der Stadt Bottrop, unterzeichnet. Im Zentrum der Zukunftsinitiative stehen die Handlungs- und Gestaltungsperspektiven, die mit dem innovativen Leitbild der „Integralen Wasserwirtschaft“ und einer wassersensiblen Stadt- und Quartiersentwicklung verbunden sind.

Die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ baut darüber hinaus auf der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ auf, die die Emschergenossenschaft 2005 mit den Emscherkommunen und dem Land NRW auf den Weg gebracht hatte – dabei geht es darum, innerhalb von 15 Jahren (2005 bis 2020) zirka 15 Prozent der Kanalisation abzukoppeln. Damit sollen Kanäle und Kläranlagen entlastet und die Gewässer gefördert werden.

Der Stand der Regenwasserabkopplung in Bottrop beträgt derzeit rund 12 Prozent. Mit Umsetzung dieses Projektes erhöht sich dieser um knapp 1,4 Prozent (1 Prozent entsprechen in Bottrop rund 11 Hektar abflusswirksam befestigter Fläche).