Bottrop: Kläranlage Bottrop macht einen wegweisenden Schritt zur Energiegewinnung der Zukunft

Bottrop. Kläranlagen sind nicht nur Orte, an denen Energie verbraucht wird. Sie sind auch Orte, an denen Energie erzeugt werden kann. Am Standort Bottrop erforscht die Emschergenossenschaft bereits seit mehreren Jahren die Potenziale der Energiegewinnung infolge der Klärschlammverwertung. Rund 80 Prozent der auf der Anlage benötigten elektrischen Energie erzeugt die Emschergenossenschaft bereits vor Ort. Nun geht der Wasserwirtschaftsverband einen weiteren wegweisenden Schritt in Richtung „Energiegewinnung der Zukunft“: In Anwesenheit von NRW-Umweltminister Johannes Remmel wurden am Montag (20.2.) vier neue Blockheizkraftwerk-Module sowie eine Photovoltaikanlage eingeweiht und offiziell in Betrieb genommen. Rund fünf Millionen Euro investierte die Emschergenossenschaft dafür.

Die Inbetriebnahme der BHKW mit Dr. Uli Paetzel (Chef der Emschergenossenschaft, Ullrich Sierau (Ratsvorsitzender der EG), NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bottrops Bürgermeister Klaus Strehl und Dr. Emanuel Grün, Technik-Vorstand der Emschergenossenschaft (v.li.). (Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft)

Die Inbetriebnahme der BHKW mit Dr. Uli Paetzel (Chef der Emschergenossenschaft, Ullrich Sierau (Ratsvorsitzender der EG), NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bottrops Bürgermeister Klaus Strehl und Dr. Emanuel Grün, Technik-Vorstand der Emschergenossenschaft (v.li.). (Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft)

„Bottrop und die Emschergenossenschaft sind damit Vorreiter für viele andere Kläranlagen nicht nur in der Region, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen. Mit Hilfe der neuen Technologien leisten sie einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Zukunft“, sagte Minister Remmel.

Für die Emschergenossenschaft ist dies nur eine Vorstufe auf dem Weg zu Deutschlands erster energieautarker Großkläranlage. „Die Energiewende beginnt am besten immer gleich vor Ort. Für uns beginnt sie vor der eigenen Haustür, direkt auf unserer eigenen Anlage. Je mehr Energie wir selber produzieren, desto weniger müssen wir dazu kaufen. Wir sparen jedoch nicht nur Geld, sondern reduzieren mit dem Einsatz erneuerbarer Energieträger vor allem auch den Kohlendioxid-Ausstoß“, sagte Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Die Kläranlage Bottrop ist mit einer Ausbaugröße von 1,34 Millionen Einwohnerwerten eine der größten Kläranlagen deutschlandweit und hat sich ein entsprechend bedeutendes Ziel gesetzt: Von den rund 32 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie, die für den Betrieb jährlich benötigt werden, sollen in Zukunft 100 Prozent auf dem Gelände der Kläranlage selbst erzeugt werden. Um dies zu erreichen, hat die Emschergenossenschaft ein innovatives Konzept entwickelt.

Als erste Kläranlage in Deutschland werden in Bottrop fünf erneuerbare Energieträger an einem Standort zu einem Hybridkraftwerk kombiniert. Dadurch können rund 70.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Bei den fünf erneuerbaren Energieträgern handelt es sich um:
- eine Windenergieanlage mit 3,1 MW Leistung (seit April 2016 in Betrieb)
- vier neue BHKW Module mit jeweils etwa 1,2 MW Leistung (aktuell in Betrieb genommen)
- eine Photovoltaikanlage auf einer Dachfläche von ca. 500 m² (ebenfalls aktuell in Betrieb genommen)
- eine Wasserkraftschnecke im Ablauf der Kläranlage mit ca. 80 kW Leistung (in Planung)
- eine neue Dampfturbine mit mindestens 4 MW Leistung als Teil der ansässigen Klärschlammverbrennung (in Planung).

Abgerundet werden soll das Projekt durch den Bau einer thermosolaren Klärschlammtrocknung und somit den Verzicht auf die Zugabe von Kohle zur Klärschlammkonditionierung sowie die Nutzung der Niedertemperaturwärme aus der Klärschlammverbrennung. Damit wäre das Hybridkraftwerk Emscher ab 2018 in der Lage, eine bilanzielle 100%ige Deckung durch Eigenstromerzeugung zu erreichen.

Für diese Vorreiter-Rolle gab es am Montag auch sogleich eine Auszeichnung: Minister Remmel überreichte Dr. Paetzel die Urkunde zur offiziellen Aufnahme des Projektes als Vorbild für eine klimafreundliche Zukunft in die landesweite Leistungsschau. Dr. Heinrich Dornbusch, Vorsitzender Geschäftsführer der Klima-Expo.NRW, sagte dazu: „Ein innovatives klimafreundliches Energiekonzept ermöglicht die Nutzung umfangreich vorhandener Potenziale und zeigt, wie die Zukunft des Kläranlagenbetriebs aussehen kann.“

Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Gemeinsam mit dem Lippeverband ist die Emschergenossenschaft Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen.