Bottrop: Energieautarke Kläranlage: „Hybridkraftwerk Emscher“ ist nun tatsächlich Realität!

Bottrop. Eine erfreuliche Erfolgsnachricht von der Kläranlage Bottrop: Der Emschergenossenschaft ist es ganz aktuell erstmals gelungen, ihr Klärwerk in der Welheimer Mark ausschließlich mit Eigenenergie zu betreiben. Dabei wurde zum ersten Mal auch die 10-Megawatt-Marke geknackt. Das 2011 vorgestellte Projekt „Hybridkraftwerk Emscher“ ist somit bereits Realität – noch bevor überhaupt alle Komponenten installiert sind.

Betriebsingenieur Alexander Knake vor der Markentafel – inklusive des bisherigen Rekordwertes! (Foto: EGLV)

Betriebsingenieur Alexander Knake vor der Markentafel – inklusive des bisherigen Rekordwertes! (Foto: EGLV)

Die Kläranlage der Emschergenossenschaft in Bottrop ist nun die erste Großkläranlage in NRW, die sich energieautark betreiben lässt. Aktuell ist das Klärwerk sogar in der Lage, große Mengen Energie über Bedarf zu produzieren: Zum Zeitpunkt des Knackens der 10-MW-Marke liefen drei Blockheizkraftwerke und die Windenergieanlage unter Volllast, während die erst im Dezember installierte neue Dampfturbine sogar noch etwas Luft nach oben hatte.

Zum Gesamtpaket „Hybridkraftwerk Emscher“ gehören insgesamt fünf erneuerbare Energieträger – durch die bis zu 70.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden sollen:
– eine Windenergieanlage mit 3,1 MW Leistung (im April 2016 eingeweiht, neue Rotorblätter seit Anfang Februar 2018)
– vier neue Blockheizkraftwerk-Module mit jeweils etwa 1,2 MW Leistung (im Februar 2017 in Betrieb genommen)
– eine Photovoltaikanlage auf einer Dachfläche von ca. 500 m² (ebenfalls im Februar 2017 in Betrieb genommen)
– eine Wasserkraftschnecke im Ablauf der Kläranlage mit ca. 80 kW Leistung (noch in Planung)
– eine neue Dampfturbine mit mindestens 4 MW Leistung (im Dezember 2017 umgesetzt).

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.