Selm: Wie die Abwasserreinigung nach Selm kam

Selm. Vor 60 Jahren entstanden in den meisten Münsterland-Gemeinden die ersten, noch sehr einfachen Kläranlagen. Heute sind die Abwassermengen, die in den Anlagen gereinigt werden, durch die gestiegene Zahl von Einwohnern nicht nur wesentlich größer. Der Klärprozess ist auch viel gründlicher und dadurch aufwändiger. Wie fing es in den 1950er Jahren an – in Selm?

Hinter dem Vorreinigungsbecken liegt das Maschinenhaus, links im Bild ist der Sandfang zu erkennen. Fotoarchiv Emschergenossenschaft / Lippeverband

Hinter dem Vorreinigungsbecken liegt das Maschinenhaus, links im Bild ist der Sandfang zu erkennen. Fotoarchiv Emschergenossenschaft / Lippeverband

Nach den Informationen, die beim Lippeverband noch vorliegen, wurde die erste Kläranlage in Selm Ende der 50er Jahre an der Olfener Straße gebaut. Später kamen die Kläranlagen Selm-Bork und –Cappenberg hinzu.

Aufnahmen vom Bau der Anlage aus Februar 1960 zeigen die schon fertigen, aber noch leeren Klärbecken, den Tropfkörper und das Maschinenhaus. Auf Fotos, die ein halbes Jahr später im August 1960 entstanden, sind die Becken dann schon mit Wasser gefüllt. Am Rand der „blitzblanken“ Kläranlage ist auch das Klärwärter-Wohnhaus zu erkennen. Damals war es üblich, dass die Mitarbeiter der Kläranlage direkt neben ihrer Anlage wohnten, damit sie bei Bedarf jederzeit Hand anlegen konnten. Im Zeitalter der Automatisierung und Fernüberwachung ist dies längst Vergangenheit.

Der Weg des Wassers durch die Kläranlage führte damals vom Sandfang, wo sich zunächst kleinen Steinchen absetzen konnten, zunächst über den „Emscherbrunnen“. Dieses Becken war, wie der Namen andeutet, bei der Emschergenossenschaft entwickelt worden, und diente zur Vorklärung des Abwassers. Die biologische Stufe der Abwasserreinigung, die sich in den 1950ern schon durchsetzte, fand in einem „Tropfkörper“ statt. Das ist ein mit Lavasteinen gefülltes Betonsilo. Auf den Lavasteinen, die der Lippeverband aus der Eifel bekam, siedelten sich in den feinen Poren Millionen von Abwasserbakterien an, die die Schmutzstoffe im Abwasser auf natürliche Weise abbauten.

Das Grundprinzip der biologischen Reinigung durch Bakterien wird auch heute noch angewandt, jedoch in belüfteten Klärbecken, die wesentlich leistungsfähiger sind. In der Selmer Kläranlage wurde das Abwasser damals am Ende des Klärprozesses durch ein Nachklärbecken geleitet, das man „Dortmund-Brunnen“ nannte. Anschließend floss das gereinigte Wasser in den Selmer Bach und von dort aus in die Stever – insgesamt für die damalige Zeit schon recht modern.

Ende der 1980er Jahre erweiterte und modernisierte der Lippeverband seine Kläranlage Selm. 1990 ging die erneuerte Anlage mit einer Kapazität von 25.500 Einwohnerwerten in Betrieb. Auch die Kläranlage Bork und Cappenberg wurden Ende der 1990er Jahre ausgebaut, so dass der Lippeverband auf Selmer Stadtgebiet drei moderne Anlagen betreibt – mit einer Gesamtleistung von 43.000 Einwohnerwerten. Betreut werden sie in einem gemeinsamen Meisterbezirk mit den Kläranlagen Lüdinghausen und Nordkirchen von Klärmeister Thomas Höring und seinen zehn Mitarbeitern.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.