Essen: Potenziale für die Gesundheit durch den Emscher-Umbau

Essen. Im Rahmen des Forschungsfeldes „Stadt und Gesundheit“ veranstalten die Emschergenossenschaft und die Universitätsallianz Ruhr (UAR) am Donnerstag, 7. Dezember, eine Konferenz zum Thema „Potenziale für die Gesundheit durch den Emscher-Umbau“ im ChorForum Essen an der Fischerstraße 2-4.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Emschergebiet sind eingeladen, sich von 10 bis 12 Uhr zwei hochrangige Gastvorträge der beiden britischen Professoren Hugh Barton und Michael Depledge anzuhören. Die Begrüßung vorab nimmt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, vor.

Ebenfalls eingeladen sind interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Abendveranstaltung, die um 17.30 Uhr mit einem Grußwort von Essens Bürgermeister Rudolf Jelinek beginnt. Anschließend folgt eine Podiumsdiskussion, an der neben Dr. Uli Paetzel und Prof. Michael Depledge unter anderem auch die Essener Umweltdezernentin Simone Raskob und Prof. Susanne Moebus von der Universität Duisburg/Essen teilnehmen. Moebus ist Leiterin des Zentrums für urbane Epidemiologie an der Uniklinik Essen.

Der Emscher-Umbau und das Thema Gesundheit
Bereits der erste Umbau des Emscher-Systems zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand im Zeichen der Gesundheit. Damals galt es mittels der technischen Regulierung der Schmutzwasserläufe das Abwasser schnell zu entsorgen, damit sich Krankheiten wie Typhus und Cholera nicht weiter verbreiten konnten. Positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat jedoch auch der aktuelle Emscher-Umbau, den die Emschergenossenschaft seit 1992 umsetzt. Anfangs nur als rein wasserwirtschaftliches Projekt angesehen, entdecken die Forscher mittlerweile die gesundheitlichen Effekte des Vorhabens durch die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität infolge der Beseitigung der offenen Abwasserentsorgung.

Infos zu den Gastrednern
Hugh Barton ist Stadtplaner und emeritierter Professor für Planung, Gesundheit und Nachhaltigkeit und ehemaliger Executive Director des WHO Collaborating Center der University of West of England in Bristol. In den frühen achtziger Jahren gründete er das Urban Centre for Appropriate Technology/Sustainable Energy.

Professor Michael Depledge ist zwar Meeresbiologe und Ökotoxikologe, er hat sich aber schon früh sehr interdisziplinär aufgestellt. Er forschte zur Umweltmedizin an der Universität Hongkong, gründete den ersten Lehrstuhl für Meeresbiologie und Ökotoxikologie in Dänemark und ist Gründungsdirektor des Plymouth Environmental Research Center an der Universität von Plymouth. Seit 1990 ist er als Experte für Meeresverschmutzung bei den Vereinten Nationen und zudem seit 2001 als Sachverständiger für die Weltgesundheitsorganisation tätig.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.