Emschergenossenschaft gestaltet nicht nur die Region um, sondern auch sich selbst

Die Emschergenossenschaft hat am Freitag ihre Jahresversammlung in der Stadthalle abgehalten – und damit erstmals in Castrop-Rauxel. Kein Zufall, denn vor 25 Jahren fand in dieser Stadt der allererste Spatenstich für das Generationenprojekt Emscher-Umbau statt: Am 5. Februar 1992 erfolgte der Startschuss für die Umgestaltung des Deininghauser Bachs. Genau 9417 Tage später blickte die Emschergenossenschaft heute nicht nur auf die mittlerweile erreichten Meilensteine zurück, sondern auch vorweg in die Zukunft. Vor dem Hintergrund der Schlussphase des Emscher-Umbaus erfindet sich die Emschergenossenschaft gerade neu und will künftig noch viel mehr als moderner und service-orientierter Dienstleister und Kooperationspartner der Städte an der Emscher agieren.

Der Emscher-Umbau schreitet im gesamten Gebiet voran: Von den rund 400 Kilometern an neuen unterirdischen Abwasserkanälen sind bereits knapp 350 Kilometer verlegt, von den insgesamt 326 Kilometern an Flusslandschaften hat die Emschergenossenschaft aktuell rund 130 Kilometer revitalisiert.

Besonders erfreulich ist der Anstieg der Artenvielfalt von zirka 170 Anfang der 90er-Jahre auf nunmehr 450 Arten im Jahr 2017!

„Ganz stolz blicken wir in diesem Jahr vor allem auf das Erreichen eines ganz bestimmten historischen Meilensteins zurück: der Abschluss der unterirdischen Vortriebsarbeiten für unseren großen Abwasserkanal Emscher, der künftigen abwassertechnischen Hauptschlagader unserer Region“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Am 12. Juni dieses Jahres erfolgte in Oberhausen der finale Durchstich des Abwasserkanals Emscher (AKE) nach etwas mehr als viereinhalb Jahren Bauzeit – Baustart in Dortmund war im September 2012. In bis zu 40 Metern Tiefe und auf rund 50 Kilometer Länge erfolgte der Bau des AKE. Insgesamt 13 Vortriebsmaschinen waren parallel im Einsatz, 17.000 Kanalrohre wurden zwischen Dortmund und Bottrop verlegt und allein 108.000 Tübbingbausteine im anschließenden Bauabschnitt zwischen Bottrop und Oberhausen verbaut.

Weitere Meilensteine in 2018
Und auf diesen großen Meilenstein folgen bald bereits die nächsten, denn im kommenden Jahr wird die Emschergenossenschaft die schrittweise Inbetriebnahme des AKE sowie die Inbetriebnahme der beiden großen Pumpwerke in Gelsenkirchen und Bottrop feiern.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Mit unserem Generationenprojekt verändern wir seit fast 30 Jahren erneut das Gesicht einer Metropolregion und zwar mit dem Ziel, die Emscher als sauberen und naturnahen Fluss den Menschen zurückzugeben“, fasst Ullrich Sierau, Vorsitzender des Rates der Emschergenossenschaft, zusammen. Als Oberbürgermeister der Stadt Dortmund spricht Sierau aus eigener Erfahrung, denn in Dortmund ist die Emscher bereits fast komplett renaturiert. Vor allem im Stadtteil Hörde hat das Emscher-Projekt unter anderem den Bau des Phoenix Sees mitinspiriert und zu einer erheblichen Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität geführt.

Die weitestgehende Abwasserfreiheit in der gesamten Emscher wird die Emschergenossenschaft nach derzeitiger Planung 2020/2021 erreichen. Voraussetzung dafür ist die rechtzeitige Erteilung der erforderlichen Genehmigungen seitens der Behörden. Die Gesamtkosten werden wie bereits im Vorjahr auf zirka 5,3 Milliarden Euro geschätzt.

Emschergenossenschaft ist im Transformationsprozess
Doch nicht nur die Region befindet sich im Transformationsprozess, sondern auch die Emschergenossenschaft selbst. Im Zuge des Emscher-Umbaus hat sich das Projekt von einem rein wasserwirtschaftlichen Vorhaben zu einem städtebaulichen Vorzeigeprojekt mit Mehrwertcharakter für die Menschen im Revier entwickelt.

„Unsere Emscher ist der Fluss mit ganz viel Plus“, sagt Uli Paetzel und zählt diese Pluspunkte auf: Ökologie (Renaturierung, Anstieg der Artenvielfalt), Ökonomie (Mehrwert durch Schaffung von Arbeitsplätzen), Bildung (Blaue Klassenzimmer), Kunst & Kultur (Emscherkunst), Stadt- und Quartiersentwicklung (Phoenix-See), Gesundheit (Auswirkungen der Abwasserfreiheit und Renaturierung auf die Gesundheit), Tourismus (Schaffung neuer Radwege – Attraktivität der Region steigt) und Partizipation (Mitmachfluss als Voraussetzung für erfolgreiche Gestaltung der Region).

Aktiver Kooperationspartner
Im Zuge von Kooperationen wie der Arbeitsgemeinschaft Neues Emschertal mit dem RVR, der Emscherkunst-Ausstellungen, der Bewerbung der Stadt Essen als „Grüne Hauptstadt Europas“ oder der Zusammenarbeit mit den Städten Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne und Herten im Projekt „Emscherland 2020“ hat sich auch das Profil der Emschergenossenschaft gewandelt: von einem rein technisch geprägten Wasserwirtschaftsverband zu einem service-orientierten Dienstleister für die Städte an der Emscher.

„Diesen Pfad wollen wir weiter beschreiten und ihn ausbauen“, sagt Paetzel, „im Rahmen des enormen Transformationsprozesses unserer Region und den stets neu auf uns zukommenden Herausforderungen möchten wir ein zuverlässiger Unterstützer und Partner sein. Eine integrale Wasserwirtschaft erlaubt es uns, eine regionale Sichtweise einzunehmen und dadurch Interessenskonflikte ganzheitlich zu betrachten.“

Gemeinsam mit ihren Mitgliedern will die Emschergenossenschaft Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft der Region übernehmen – und dafür macht sie sich aktuell auch intern „fit“. Unter dem Motto „Horizont 2030“ ist bereits ein Prozess zum Abbau von Bürokratie angestoßen worden. Der eigene Anspruch: Im Jahr 2030 will die Emschergenossenschaft eine flexible, schnelle und leistungsfähige Organisation sein und als ein wesentlicher Akteur die Region mitgestalten und für mehr Lebensqualität sorgen!

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,3 Milliarden Euro investiert werden.