Oberhausen: Rohrvortrieb nur 1,40 Meter unterhalb der Emscher-Sohle

Oberhausen. Der Holtener Bruch im Oberhausener Ortsteil Biefang bildet zurzeit einen Schwerpunkt im Rahmen des Generationenprojekts Emscher-Umbau. Dabei werden jedoch nicht nur der Abwasserkanal Emscher und das unterirdische Pumpwerk Oberhausen erstellt, sondern unter anderem auch die Abwasserzuleitungen vom Oxea-Gelände aus. Die Besonderheit hier: Zur Erstellung dreier Stauraumkanäle unterquerte die Emschergenossenschaft mit ihren Rohrvortrieben die Emscher – teilweise sogar nur 1,40 Meter (!) unterhalb der Gewässersohle!

Luftfoto-Grafik des Emscher-Umbaus in Holten (Quelle: Emschergenossenschaft)

Luftfoto-Grafik des Emscher-Umbaus in Holten (Quelle: Emschergenossenschaft)

Für die Stauraumkanäle vom Oxea-Gelände in Richtung Holtener Bruch wurden im ersten Bauabschnitt Rohre mit einer Gesamtlänge von 640 Meter und einem Innendurchmesser von 1,80 Meter verlegt. In einem zweiten Bauabschnitt, den die Emschergenossenschaft Anfang Dezember angehen wird, werden die Entlastungsbauwerke mit den Zulaufkanälen der OXEA GmbH erstellt. Diese dienen der späteren Einleitung von weitestgehend sauberem Wasser in die dann vom Schmutz befreite Emscher.

Funktionsweise
Ein Stauraumkanal dient der Trennung von sauberem Regenwasser von schmutzigem Abwasser. In der Anlage wird bei starken Regenfällen das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt in den Abwasserkanal transportiert werden.

Das oben schwimmende weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Auf diese Weise erhalten die Emscher-Gewässer weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.