Gelsenkirchen: Sellmannsbach: Bau des neuen Abwasserkanals schreitet voran

Gelsenkirchen. Die Verlegung des neuen unterirdischen Abwasserkanals parallel zum Sellmannsbach schreitet weiter voran. Nachdem die Emschergenossenschaft im ersten Bauabschnitt den Stauraumkanal Alfred-Zingler-Straße fertig gestellt hat und aktuell neue Druckrohleitungen nördlich und südlich der A42 verlegt, startet bereits Ende Oktober bzw. Anfang November der dritte Bauabschnitt: Erstellt wird der 680 Meter lange Stauraumkanal Gelsenkirchen-Wiesmannstraße zwischen dem Pumpwerk Gelsenkirchen-Bismarck und der Ebersteinstraße.

Zur Vorbereitung des Baufeldes führt die Emschergenossenschaft in den kommenden Tagen punktuell im Verlauf des Gewässers Rodungen durch. Die Emschergenossenschaft bittet um Verständnis im Falle etwaiger Lärmbeeinträchtigungen.

In diesen dritten Bauabschnitt, dessen Fertigstellung bis Ende 2019 terminiert ist, werden rund elf Millionen Euro investiert. Neben dem neuen Stauraumkanal entsteht ein neues Pumpwerk für den Sellmannsbachkanal zur Weiterleitung des Mischwassers über die zurzeit im Bau befindlichen Druckrohrleitungen weiter im Norden.

Darüber hinaus baut die Emschergenossenschaft am (in Fließrichtung) unteren Ende des Stauraumkanals ein Entlastungsbauwerk mit Überlaufschwelle in das Regenrückhaltebecken GE-Wiesmannstraße. Zudem werden im Laufe der Baumaßnahme städtische Kanäle in der Straße Am Stäfflingshof an den neuen Sammler der Emschergenossenschaft angeschlossen.

Der Stauraumkanal selbst hat einen Innendurchmesser von 2,20 bis 2,40 Meter. Verlegt wird er in Tiefenlagen von acht bis 15 Meter.

Funktionsweise
Ein Stauraumkanal dient der Trennung von sauberem Regenwasser von schmutzigem Abwasser. In der Anlage wird bei starken Regenfällen das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal transportiert werden.

Das oben schwimmende weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Auf diese Weise erhalten die Emscher-Gewässer weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden.

Hintergrund der Maßnahme:
Aktuell verläuft der Sellmannsbach ab dem Pumpwerk GE-Bismarck unterirdisch als Mischwasserkanal (Abwasser und Regenwasser) gemeinsam mit dem Wasser aus dem städtischen Kinnbach bis auf Höhe des Pumpwerks GE-Löchte. Erst dort tritt er wieder zu Tage – aktuell noch als Schmutzwasserlauf. Im Zuge der Umgestaltung des Sellmannsbaches im Rahmen des Großprojekts Emscher-Umbau wird das Gewässer vom Schmutzwasser befreit. Das künftig reine Wasser aus dem Sellmannsbach wird dann über die neuen Druckrohrleitungen geführt.

Das Reinwasser aus dem Sellmannsbach wird dabei durch zwei der drei neuen Leitungen geführt, das Schmutzwasser über die dritte.

Die Umgestaltung des Sellmannbachs gehört zum Generationenprojekt Emscher-Umbau. Der Sellmannsbach wird vom Abwasser befreit und anschließend ökologisch verbessert. Der Sellmannsbach wird derzeit von Emschergenossenschaft und AGG/Gelsenkanal (noch) als offener Abwasservorfluter betrieben. Sein Verlauf führt von der heutigen Quelle im Bereich Hohenstauffenallee/Wanner Straße in Bulmke-Hüllen auf einer Länge von rund 5 Kilometern in nordwestlicher Richtung über die Stadtteile Bismarck und Schalke-Nord zur Einmündung in die Emscher westlich der Kurt-Schumacher-Straße. Im Unterlauf von der Einmündung in die Emscher bis auf Höhe der Hochkampstraße gehört der Sellmannsbach der Emschergenossenschaft (2,7 Kilometer), während der Oberlauf südlich der Hochkampstraße in städtischer Unterhaltung liegt (2,3 Kilometer).

Der Sellmannsbach-Umbau hat im Juli 2013 begonnen. Der Bau des neuen unterirdischen Abwasserkanals ist ein Gemeinschaftsprojekt von Emschergenossenschaft und Abwassergesellschaft Gelsenkirchen/Gelsenkanal und soll 2019 abgeschlossen sein.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.