Datteln/ Oer-Erkenschwick: Kanäle am Steinrapener Bach und Westerbach sind fertig und in Betrieb

Datteln/ Oer-Erkenschwick. Der Lippeverband hat die geschlossenen Abwasserkanäle an den Oberläufen des Dattelner Mühlenbachs – an Westerbach und Steinrapener Bach – fertig gestellt. Rund eineinhalb Jahre nach dem Baubeginn im März 2016 gingen die Anlagen jetzt in Betrieb.

Damit verlaufen die unterirdischen Kanäle jetzt durchgängig von den Zuläufen aus der Kanalisation der Stadt Oer-Erkenschwick, einmal komplett von Südwest nach Nordost durch das Dattelner Stadtgebiet, bis zur Kläranlage Dattelner Mühlenbach des Lippeverbandes. Aus der Kläranlage wird das gereinigte Wasser dann kurz vor der Lippe in den Bach geleitet.

Seit dem symbolischen Spatenstich für den Kanalbau an den Oberläufen, der am 7. März 2016 auf dem Hof Janinhoff stattfand, hat der Lippeverband insgesamt 4 Kilometer Kanäle mit bis zu 2,80 m Innendurchmesser verlegt. Am Westerbach summiert sich die Zahl der Kanalrohre auf 885, am Steinrapener Bach waren es 520. Am Standort Gutacker wurden für das Entlastungsbauwerk am Ende des Stauraumkanals 200 m³ Beton benötigt. Der Bau des Regenrückhaltebeckens erforderte Erdbewegungen von 54.000 m³ Boden, von diesem Aushub wurden rund 80 Prozent vor Ort wieder eingebaut.

Schmutzwasser fließt weitgehend unter der Erde
Die Schmutzwassermenge im Dattelner Mühlenbach hat sich damit drastisch verringert. Ganz sauber ist der Bach allerdings noch nicht. Aus dem Dümmerbach, der bei dem großen Hochwasserrückhaltebecken im Hagem in den Mühlenbach mündet, kommen noch ungeklärte Einleitungen. Hier soll der Bau eines geschlossenen Kanals noch in diesem Jahr starten.

Mit dem Bau der Kanäle an den Zuläufen des Dattelner Mühlenbaches beseitigt der Lippeverband die letzten offenen Schmutzwasserläufe an der westlichen Lippe überhaupt. Mit der Investition von 22 Mio. Euro für den Kanalbau an Steinrapener Bach und Westerbach neigt sich zugleich ein Großprojekt dem Ende zu, das bis in die 1990er Jahre zurückreicht: In mehreren Teilschritten hat der Lippeverband den Abwasserkanal am Dattelner Mühlenbach gebaut.

Parallel dazu wurde das Hochwasserrückhaltebecken an der Stemmbrückenstraße gebaut, das mit einem Fassungsvermögen von 130.000 Kubikmetern Datteln vor einem 50jährlichen Hochwasser schützt. „50jährlich“ bedeutet: Ein Hochwasser, das statistisch einmal in 50 Jahren zu erwarten ist.

Die Anlagen am Gutacker, wo Westerbach und Steinrapener Bach zusammenfließen, dienen einerseits dazu, bei starken Niederschlägen Rückhalteräume für das Regenwasser zu schaffen: Dazu ist ein „Stauraumkanal“ mit einem Fassungsvermögen von 12.800 Kubikmetern in das Kanalsystem integriert, der den maximalen Wasserabfluss im Kanal von 2.500 Liter auf 400 Liter pro Sekunde reduziert. Diese Wassermenge fließt weiter in Richtung Kläranlage, das übrige Wasser wird zurückgestaut. Kann der Stauraumkanal kein Wasser mehr aufnehmen, wird das vorgeklärte Regenwasser in ein Regenrückhaltebecken mit einem Volumen von 28.600 Kubikmetern abgeschlagen.

Hintergrund: Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.