Essen: Am Pausmühlenbach beginnen nun die Kanalbauarbeiten

Essen. Im Zuge des Emscher-Umbaus baut die Emschergenossenschaft im Essener Nordwesten eine Regenwasserbehandlungsanlage am Pausmühlenbach im Bereich der Levinstraße. Die ersten Vorbereitungen beginnen bereits aktuell in dieser Woche, die Hauptarbeiten starten dann am 4. Oktober. Zu einer Bürgerinformationsveranstaltung lädt die Emschergenossenschaft am 10. Oktober ein: Los geht es um 18 Uhr im Gemeindebüro St. Michael, Langhölterweg 13, 45357 Essen.

Die Emschergenossenschaft erstellt die Regenwasserbehandlung in Form eines Stauraumkanals. Dieser besteht aus zwei Röhren, beide zirka 200 Meter lang und mit Innendurchmessern von 2,60 und 3,00 Meter. Die Sammler münden in einem sogenannten Entlastungsbauwerk mit den Abmessungen 75 m x 7 m – hier kommt es zur Trennung von Regen- und Schmutzwasser. Gebaut wird innerhalb der Grünfläche zwischen dem katholischen Friedhof an der Haus-Horl-Straße, der Levinstraße und dem Pausmühlenbach. Das Entlastungsbauwerk und der vorgeschaltete Stauraumkanal bilden damit ab der Levinstraße den Startpunkt des genossenschaftlichen Teils des Pausmühlenbachs.

Die vorbereitenden Kampfmitteluntersuchungen zum Bau des Stauraumkanals fanden bereits im Sommer dieses Jahres statt. Ab Oktober 2017 folgt nun der Bau des Stauraumkanals. Die Gesamtbauzeit beträgt zirka eineinhalb Jahre. Die Zuwegung zur Baustelle erfolgt von der Levinstraße über zwei Baustraßen. Für die Erstellung der Baugruben sind umfangreiche Erdarbeiten erforderlich. Die Bauarbeiten können zu Verkehrsbehinderungen auf den zuvor genannten Straßen führen. Die Emschergenossenschaft bittet Bürger und Anwohner um Verständnis.

Der Pausmühlenbach wird mit der Maßnahme vom Abwasser befreit, so dass künftig nur das saubere Wasser durch den Bach fließen wird. Mit der ökologischen Verbesserung kann frühestens im ersten Quartal 2022 nach Fertigstellung aller ober- und unterhalb liegender Abwasserkanäle begonnen werden.

Funktionsweise
Eine Regenwasserbehandlung dient der Trennung von sauberem Regenwasser von schmutzigem Abwasser. Im Stauraumkanal wird bei starken Regenfällen das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal transportiert werden.

Das oben schwimmende weitestgehend saubere und nichtklärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Auf diese Weise erhalten die Emscher-Gewässer weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden.

Hintergrund:
Die Maßnahme am Pausmühlenbach ist ein Bestandteil des Generationenprojekts Emscher-Umbau, in das die Emschergenossenschaft über fast 30 Jahre prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei. Der Umbau des Emscher-Systems wurde 1991 beschlossen und Anfang 1992 begonnen. Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.