Dinslaken: Ruinen am Rotbach: Hier stand im Zweiten Weltkrieg ein Lager

Dinslaken. Wo die Autobahn A 3 den Rotbach überquert, liegen seit Jahrzehnten verfallene Fundamente neben dem Rotbachweg – Übereste eines Fremdarbeiterlagers aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Lippeverband hat jetzt mit Hilfe des Heimatforschers Dr. Ingo Tenberg eine Info-Stele entwickelt und am Wegesrand platziert, die diesen Schauplatz erklärt.

Bürgermeister Dr. Michael Heidinger und der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, Dr. Uli Paetzel, haben die rund 2 m hohe Informationstafel heute enthüllt. Sie wird ergänzt durch eine Ruhebank und eine Fahrradabstellanlage. „Wir hatten immer wieder Anfragen von Radfahrern und Spaziergängern, was es mit diesen Ruinen auf sich hat“, so Dr. Uli Paetzel, „durch die neue Info-Stele werden sie eingeladen, sich mit der Geschichte dieses Ortes zu beschäftigen.“

Der historische Hintergrund für das ehemalige Barackenlager Rotbachtal ist die Unterbringung von Fremdarbeitern während der Nazizeit, die überwiegend aus Belgien, den Niederlanden und Italien kamen: Am Ort der neuen Info-Stele befand sich zwischen den Jahren 1939/40 und 1945 ein unbewachtes und nicht eingezäuntes Barackenlager, in dem freiwillige Arbeiter aus westeuropäischen Ländern, aber auch Zwangsarbeiter und ehemalige Häftlinge lebten, hat Dr. Tenberg herausgefunden.

Arbeiter für Autobahnbau und bei der Ruhrchemie
Sie waren zunächst beim Bau der Autobahn von Oberhausen nach Wesel beschäftigt („Reichsautobahnlager“). Nach kriegsbedingter Einstellung des Autobahnbaus im Jahre 1942 arbeiteten die Lagerbewohner bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bei der Ruhrchemie AG in Holten, wohin sie täglich mit Omnibussen transportiert wurden.

Das Lager für etwa 150 Arbeiter erlebte wegen einer in unmittelbarer Nähe gelegenen schweren Flakstellung der Wehrmacht mehrere alliierte Luftangriffe. So kamen hier alleine am 27. April 1943 durch Fliegerbomben 31 belgische Fremdarbeiter ums Leben. Sie wurden auf dem Parkfriedhof Dinslaken bestattet. Das heute noch erhaltene unterkellerte Betonfundament diente im Lager als Luftschutzkeller, auf dem sich ein Holzaufbau für ein Lebensmittel- und Gerätelager befand. Ebenso haben sich auf dem Gelände Reste der Zugänge zu unterirdischen Splitterschutzröhren bewahrt.

Mit der im Jahre 2013 abgeschlossenen Renaturierung des Rotbachs im Mittellauf durch den Lippeverband und der damit verbundenen neuen Trassenführung des Rotbach-Weges rückten die erhaltenen bunkerähnlichen Betonruinen des Lagers Rotbachtal in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn seitdem führt der Rotbach-Weg direkt an der alten Anlage vorbei und viele Radfahrer und Spaziergänger haben sich beim Lippeverband nach der Geschichte der Ruinen erkundigt.

Dies war auch Anlass für Dr. Ingo Tenberg, 2016 die wechselvolle Geschichte des Barackenlagers Rotbachtal aufzuarbeiten. Dabei halfen alte Aktenbestände im Stadtarchiv Dinslaken ebenso wie Kriegstagebücher von Lagerinsassen, Unternehmensarchive oder die Berichte letzter Zeitzeugen. Angesichts der historischen Bedeutung des Ortes, der im Krieg Schauplatz leidvoller Ereignisse war, entschloss sich daraufhin der Lippeverband, am Weg im Rotbachtal eine Info-Stele aufzustellen, die über die damaligen Ereignisse informiert.

Hintergrund Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung.