Dortmund: Oberlauf der Körne und Rüschebrinkgraben werden wieder richtige Gewässer

Dortmund. In den letzten „Köttelbecken“ im Dortmunder Norden fließt inzwischen nur noch sauberes Wasser – jetzt werden Körne-Oberlauf und Rüschebrinkgraben auch renaturiert! Den Startschuss gaben Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Dr. Uli Paetzel, der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, heute mit einem symbolischen Spatenstich. In Kürze folgt auch der Kirchderner Graben. Der Lippeverband setzt alles daran, mit der Umgestaltung der Gewässer bis zum Jahr 2019 fertig zu werden.

Foto: Jannis Reichard / Bande für Gestaltung

Foto: Jannis Reichard / Bande für Gestaltung

Seit 1996 reinigt die Kläranlage Dortmund-Scharnhorst des Lippeverbandes das Wasser der Körne, die sich ab der Flughafenstraße als ansprechend gestalteter und sauberer Wasserlauf präsentiert.

Von 2011 bis 2015 hat der Verband am Oberlauf der Körne und am Rüschebrinkgraben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch dort auch ökologisch verbesserte Gewässer entstehen können: Mächtige geschlossene Kanäle wurden unterirdisch verlegt, mittlerweile fließt alles Abwasser aus dem 3.500 Hektar großen Einzugsgebiet - das Schmutzwasser von 67.000 Einwohnern in Körne, Brackel, Kirchderne, Wambel und Scharnhorst plus Industrie- und Gewerbeabwasser – unter der Erde.

Nachdem die Gewässer abwasserfrei geworden sind, folgt jetzt das „Tüpfelchen auf dem i“: Die Sohlschalen kommen raus, die Wasserläufe, die bisher wie mit dem Lineal gezogen aussehen, dürfen sich wieder schlängeln.

Darüber freut sich Dortmunds Oberbürgermeister: „Für die Bevölkerung im Dortmunder Nordosten ist dies ein erheblicher ökologischer Mehrwert. Die Rückkehr der Natur wird auch eine Verbesserung des Freizeit- und Wohnwerts nach sich ziehen“, so Ullrich Sierau. „Das gibt auch der Stadtentwicklung weitere Impulse.“ Auch beim Lippeverband ist man froh darüber, dass die bereits vor Jahren stattgefundene Renaturierung von Körne und Seseke in Kamen, Bergkamen, Bönen und Lünen jetzt durch die Umgestaltung der Körne-Oberläufe auf Dortmund Stadtgebiet abgerundet wird. Verbands-Chef Dr. Uli Paetzel: „Durch die Investition von rund 7 Mio. Euro in die Umgestaltung der Körne auf 2,3 km Länge und die 1,4 km lange Strecke des Rüschebrinkgrabens werden diese bisher technisch ausgebauten Gewässer wieder zu Bachläufen – auch die Natur wird hier wieder einziehen!“

Flächen fehlen, aber die Natur kommt wieder
Dabei sind den Planungen des Lippeverbandes allerdings Grenzen gesetzt: Über die vorhandene Gewässertrasse hinaus stehen keine Flächen zur Verfügung, dadurch können die Wasserläufe nicht viel breiter werden. Eine Ausnahme bildet der untere Abschnitt des Rüschebrinkgrabens auf ca. 400 m Länge: Durch eine stärke Anhebung der Bachsohle in diesem Bereich wird auch eine Aufweitung des Gewässers und eine kleine Aue möglich.

Die Körne – sie unterquert die Rüschebrinkstraße, die heutige Radwegeverbindung Alte Rüschebrinkstraße, die Bundesstraße 236 und die Brackeler Straße – führt dabei noch reichlich Wasser, auch jetzt, da das Schmutzwasser raus ist und unter der Erde fließt: Im Durchschnitt weist die Körne eine Wasserführung von rund 400 Liter pro Sekunde auf, auch bei Trockenwetter sind es noch rund 60 Liter. Der Rüschebrinkgraben kommt dagegen bei Trockenheit nur auf eine bescheidene Wasserführung.

Hintergrund „Knoten Scharnhorst“
Alle Baumaßnahmen der letzten Jahre sowie die noch folgende ökologische Verbesserung der Gewässer hat der Lippeverband in dem Großprojekt „Knoten Scharnhorst“ zusammengefasst. Damit ist die komplexe wasserwirtschaftlich Infrastruktur aus Kanälen, Gewässern, Pumpwerken, Abwasserreinigung, Regenwasserbehandlung und Hochwasserrückhaltung gemeint, die hier auf engem Raum unter einen Hut gebracht werden muss.

Im Rahmen des Projekts mit einem Investitionsvolumen von 116 Mio. Euro hat der Lippeverband 300.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, insgesamt 10.400 m unterirdische Kanalstrecken mit Durchmessern bis zu 3,40 Metern verlegt, dabei vier Gewässer unterquert und einen Stauraum von 7500 Kubikmetern für Niederschlagswasser geschaffen. Hinzu kommt der Umbau der beiden Pumpwerke Kirchderner Graben und Böckelbach zu Reinwasserpumpwerken für die Gewässer und der Neubau von drei Abwasserpumpwerken für die neuen Kanäle.

Hintergrund Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung.