Castrop-Rauxel: Stauraumkanal Industriestraße läuft bereits im Probebetrieb

Castrop-Rauxel. Stück für Stück hat die Emschergenossenschaft in den vergangenen Monaten bereits den Stauraumkanal (SKU) Industriestraße in Betrieb genommen. Zu einem Drittel sind auch bereits die städtischen Anschlüsse angebunden. Mit der endgültigen Inbetriebnahme rechnet die Emschergenossenschaft erst Ende 2018, denn der SKU Industriestraße ist ein Bestandteil des Abwasserkanals Emscher, der von Dortmund bis Dinslaken reicht. Erst wenn zumindest der Abschnitt bis Bottrop in Betrieb geht, kann auch der SKU Industriestraße „aktiviert“ werden.

Die aktuell teilweise Inbetriebnahme des SKU betrachtet die Emschergenossenschaft als Probelauf für kommendes Jahr. Seine tatsächliche Funktion, die Trennung von Regen- und Schmutzwasser, erfüllt der SKU derzeit noch nicht. Vorerst wird alles wieder in die Emscher zurückgepumpt.

„Liegen“ tut der SKU, dessen Bau Ende 2012 begonnen hat, bereits seit knapp einem Jahr auf seiner vollen Länge von rund fünf Kilometern – und das in einer Tiefenlage von zwölf bis 18 Metern! Der Innendurchmesser des Kanals reicht dabei von 1,60 Meter bis 2,40 Meter. Fertig ist darüber hinaus westlich des Wasserkreuzes das zum Stauraumkanal gehörende Drossel- und Entlastungsbauwerk, das der Trennung von Regen- und Schmutzwasser dienen wird. Die Auslaufstrecke, über die der saubere Regenwasseranteil künftig in die Emscher eingeleitet wird, ist ebenfalls fertig. Erstmals teilweise in Betrieb genommen wurde der Stauraumkanal Industriestraße im Verlauf des Frühjahres.

„Großprojekt“

Beim SKU Industriestraße handelt es sich um eine Bauwerk, das bereits für sich allein die Bezeichnung „Großprojekt“ verdient hätte. Er ist insgesamt 4,5 Kilometer lang, verläuft überwiegend nördlich der Emscher und hat ein Fassungsvolumen von 16.000 Kubikmetern. Zusammen mit den seitlichen Anschlusskanälen verlegt die Emschergenossenschaft rund 5520 Meter im Rahmen des Teilprojekts.

Inklusive aller südlichen Einleitungen sind 46 Schächte für den Stauraumkanal notwendig gewesen, davon 30 entlang der Haupttrasse. Der SKU nimmt zwölf Einleitungen auf, die aus dem Süden kommen und dafür an neun Stellen die Emscher kreuzen bzw. unterqueren müssen. Insgesamt gibt es 22 sogenannte Abwasserübernahmepunkte.

Die Funktionsweise

Der Stauraumkanal dient später der Trennung von Regen- und Abwasser mithilfe simpler Schwerkraft. Und das funktioniert so: Bei starken Regenfällen wird das Mischwasser im Kanal zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal Emscher transportiert werden. Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Die Entlastung in die Emscher erfolgt im Bereich der Industriestraße (daher auch der Name des Stauraumkanals) westlich des Wasserkreuzes und östlich des Suderwicher Baches, wobei das Entlastungsbauwerk teilweise auf der Grenze zu Recklinghausen liegt.

Abwasserkanal Emscher

Bereits komplett fertig gestellt ist seit dem Sommer 2015 der Vortrieb des Abwasserkanals Emscher im Bereich Castrop-Rauxel – und auch diese Zahlen können sich durchaus sehen lassen: Der Abwasserkanal Emscher in Castrop-Rauxel ist 7607 Meter lang und mittlerweile komplett verlegt. Dafür wurden 1905 Rohr-Elemente mit einem Gesamtgewicht von 21.937 Tonnen vorgetrieben.