Kamen: „Haus Vogelsang“ und „HaLiMa“ – die Lippe gewinnt doppelt

Kamen. Große Themen auf der Verbandsversammlung des Lippeverbandes, die heute in Kamen stattfand, waren die Fluss- und Auenentwicklung der Lippe bei Haus Vogelsang zwischen Datteln und Olfen und die Deichrückverlegung im Bereich Haltern-Lippramsdorf und Marl.

Wie der Technische Vorstand des Lippeverbandes, Dr. Emanuel Grün, ausführte, wird ein großer Teil der Bodentransporte – im jetzt beginnenden 2. Bauabschnitt 124.000 Kubikmeter - für die Lippe-Renaturierung bei Haus Vogelsang über das Schiff abgewickelt. Umgekehrt müssen zwar immer noch 159.000 Kubikmeter über Straßen abgefahren werden, doch verteilt sich die Menge auf mehrere Transportrouten nördlich und südlich der Lippe. Für die Schiffsverladung reaktiviert der Lippeverband einen ehemaligen Umschlagplatz für Quarzsand am Wesel-Datteln-Kanal.

Das Ergebnis der Baumaßnahme, ein naturnaher Lippefluss, wird sowohl den finanziellen Aufwand als auch die Belastungen durch die Transportfahrten lohnen. Dr. Grün: „Auf einer Gesamtbaufläche von 30 Hektar schaffen wir neue Auenbereiche und reaktivieren Altarme der Lippe – zum Wohl der Natur, aber auch für die Menschen in der Region wird die Lippe ein attraktiver Fluss“. Im Frühjahr 2019, so die aktuelle Zeitplanung, soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein.

Ebenfalls durch das „HaLiMa“-Projekt wird die Lippe erheblich gewinnen – auch wenn die eigentliche Intention zum Neubau der Deiche die langfristige Sicherung des Hochwasserschutzes für Haltern und Marl ist. Dr. Grün wies in der Versammlung darauf hin, dass der mittlerweile begonnene erste große Bauabschnitt mit einem Investitionsvolumen von 44 Mio. Euro aufgrund einer Vergabebeschwerde erst mit rund neun Monaten Verzögerung starten konnte. Ein Mitbewerber, der bei der Vergabe des Bauauftrags leer ausgegangen war, hatte Rechtsmittel gegen die Auftragsvergabe eingelegt, so dass der ursprünglich geplante Baubeginn in 2015 nicht mehr möglich war. Der Spatenstich für „HaLiMa“ erfolgte schließlich im August 2016 im Beisein von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Die Eckpunkte des groß anlegten Bauprojektes: Bis 2022 sollen 5,6 km Deiche neu gebaut und 0,8 km bestehende Deiche zu einem 3-Zonen-Deich umgebaut werden. Die alten Deiche werden später abgetragen. Die Lippe wird breiter und flacher, es entsteht eine rund 60 Hektar große Flussaue. Dazu werden insgesamt rund 3,2 Mio. Kubikmeter Boden bewegt.

Auch hier setzt der Lippeverband in erheblichem Maße auf Transporte per Schiff, rund 65 Prozent sollen auf dem Wasserweg abgewickelt werden. Neu: Anders als ursprünglich geplant, soll dazu nicht der vorhandene Hafen AV genutzt werden, sondern eine neue Anlegestelle am nördlichen Kanalufer entstehen. Im Gegenzug kommt der Lippeverband mit nur noch einer Bandbrücke über die Lippe aus. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass zwei Brücken über den Schifffahrtskanal und über die Lippe gebaut werden müssen. Die neue Lösung ist eindeutig wirtschaftlicher.