Kamen: Lippe-Programm bringt die Lippe auf den Weg zum naturnahen Fluss

Kamen. Das Land NRW und der Lippeverband wollen beim Lippe-Programm weiter eng zusammenarbeiten. Das wurde aus den Worten von NRW-Umweltminister Johannes Remmel deutlich, der heute erstmals auf der Lippeverbandsversammlung in Kamen sprach. Dr. Uli Paetzel, seit Februar Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, nannte in seinem Bericht konkrete Schritte.

Foto: Rupert Oberhäuser / Lippeverband

„Im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen werden wir die Lippe zu einem Vorzeigefluss weiter entwickeln“, sagt Dr. Paetzel, „dabei geht es keineswegs nur um Ökologie: Gerade an der immer attraktiver werdenden Lippe spielt mehr und mehr der Ausgleich vielfältiger Interesse eine wichtige Rolle:
Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Gewässerökologie, Natur- und Artenschutz sowie die steigenden Ansprüche an Naherholung, Freizeitgestaltung und Tourismus müssen in Einklang gebracht werden“.

Genau in der Funktion, unterschiedliche Interessen auszugleichen, sieht der neue Vorstandsvorsitzende die Rolle des Lippeverbandes. In einer persönlichen „Vision von der Lippe 2030“ machte Dr. Paetzel dies an den vier Begriffen „Wasser, Willdnis, Wege und Wirtschaft“ deutlich. Auf der Grundlage einer soliden Bewirtschaftung, die für sauberes Wasser in Flüssen und Bächen sorgt, lässt sich eine artenreiche und naturnahe „wilde“ Lippe entwickeln. Für die Menschen muss es Wege ans Wasser geben, um die neu entstandene Natur zu erleben. Industrie und Landwirtschaft sind wichtige Partner, um die Rahmenbedingungen für diese Entwicklung zu schaffen.

Bestandteile des langfristig angelegten Lippe-Programms werden unter anderem die neuen, ins Hinterland verlegten Lippedeiche in Haltern-Lippramsdorf und Marl sein. Dadurch wird für die Lippe eine Aue von ca. 60 Hektar Größe geschaffen, der Fluss selbst wird wesentlich flacher und breiter. Auch die in diesem Jahr begonnene Lippe-Renaturierung Haus Vogelsang zwischen Datteln-Ahsen und Olfen lässt sich hier einordnen. Die neue Lippeaue bei Wesel, die 2014 fertiggestellt wurde, gehört ebenfalls zum Lippe-Programm. Den finanziellen Rückhalt für sämtliche Teilprojekte hat sich der Lippeverband beim Land NRW – beim HaLi-Ma-Deich wesentlich mitfinanziert vom Bergbau – gesichert, das Eigentümer der Lippe ist.

Vierte Reinigungsstufe nur da, wo sie Gewässer verbessert
Beim Bau und Betrieb von Kläranlagen, Kanälen und weiteren Anlagen legt der Lippeverband strenge Maßstäbe an die Wirtschaftlichkeit an, denn letztlich müssen diese Investitionen von den Mitgliedern – darunter die 45 Städte und Gemeinden in der Region und ihre Bürger – über die Beiträge finanziert werden. So bleibt der Lippeverband bei der so genannten „vierten Reinigungsstufe“ zur Behandlung von Spurenstoffen im Abwasser zurückhaltend: „Diese aufwändige und kostenintensive Technik einzusetzen ist nur dann sinnvoll, wenn sie auch nachweislich zur Verbesserung der Gewässerqualität beiträgt“, so Dr. Paetzel.

Verbände können wieder kommunale Kanäle betreiben
Mit der Novellierung des Landeswassergesetzes im Juli dieses Jahres hat der NRW-Landtag den Wasserwirtschaftsverbänden wieder die Möglichkeit eröffnet, im Einvernehmen mit den jeweiligen Städten und Gemeinden kommunale Kanalnetze zu übernehmen und zu betreiben. Diese Option war 2007 durch eine Gesetzesänderung von der damaligen Mehrheit im Düsseldorfer Landtag gestoppt worden, so dass lediglich bis dahin bereits abgeschlossene Verträge – darunter zur Übernahme der Stadtentwässerung amm durch den Lippeverband – in Kraft geblieben sind.

Die Übernahme des Kanalnetzes der Stadt Hamm durch den Lippeverband, die im Frühjahr 2017 zehn Jahre bestehen wird, bezeichnete Dr. Paetzel als „Erfolgsmodell“. So sehen es auch Bürger und Verantwortliche der Stadt. Bei einer insgesamt konstanten Beitragsentwicklung in Hamm hat der Lippeverband allein im vergangenen Jahr rund 10 Mio. Euro in 19 Baumaßnahmen im Kanalnetz von Hamm investiert, um dem vom Stadtrat beschlossenen Abwasserbeseitigungskonzept nachzukommen.