Mülheim: Emscher-Umbau auf der Zielgeraden

Die Emschergenossenschaft hat am Donnerstag auf ihrer jährlichen Versammlung angekündigt, dass die Beitragssteigerungen in den kommenden Jahren kontinuierlich von durchschnittlich fünf auf zwei Prozent im Jahr 2027 sinken sollen. Damit hält die Emschergenossenschaft ihr Versprechen, dass der Emscher-Umbau bezahlbar bleibt.

Der Emscher-Umbau befindet sich auf seiner Schlussgeraden. Das Hauptziel dieses beispiellosen Generationenprojekts – eine vom Abwasser befreite Emscher – wird voraussichtlich Ende 2020 erreicht werden. In einem Zeitraum von dann drei Jahrzehnten wird die Emschergenossenschaft nach derzeitigem Kenntnisstand prognostizierte 5,266 Milliarden Euro in die Aufwertung der Emscherlandschaft investiert und eine moderne abwassertechnische Infrastruktur geschaffen haben.

„Die Entwicklung unserer Emscher ist damit jedoch noch lange nicht zu Ende, sondern läutet vielmehr den Beginn einer neuen Ära für die ganze Region ein. Mit der neuen Emscher haben wir die Voraussetzungen für die integrale Planung von Stadt, Land und Wasserwirtschaft geschaffen. Nur so lässt sich den zahlreichen Herausforderungen wie demographischer Wandel, klimatische Veränderungen etc. begegnen“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Dauerhafter Mehrwert
Die technische Emscher hat das Überleben der Menschen in der Region gesichert. „Die neue Emscher ist die Grundlage für das Aufleben der Region in ökologischer, städtebaulicher, sozialer und kultureller Hinsicht. Diese neue Vision für das Emscherland und den Mitmach-Fluss wollen auch wir als Landesregierung nun gemeinsam mit den Emscher-Anrainern und der Emschergenossenschaft angehen und für die nächsten Generationen entwickeln und umsetzen“, sagt Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Emscher-Umbau, so Groschek weiter, sei eine wertvolle Investition in die Zukunft der Region: „Der dauerhafte Mehrwert für diese Region sowie für ihre Bürgerinnen und Bürger steht im Fokus dieses einzigartigen Projektes made in NRW.“

Die bereits bis heute erzielten Ergebnisse im Rahmen des Emscher-Umbaus standen bei der Genossenschaftsversammlung in Oberhausen im Fokus des Jahresberichts. Aktuell hat die Emschergenossenschaft bereits rund 330 von zirka 420 Kilometern an neuen unterirdischen Abwasserkanälen fertig gestellt sowie 122 von 350 Kilometern an Gewässerlandschaften bereits ökologisch umgestaltet.

Emscher-Fakten zur Stadt Mülheim a. d. Ruhr
Man mag es kaum glauben, aber auch die Ruhrstadt Mülheim entwässert teilweise in das Emscher-System. So setzt die Emschergenossenschaft im Rahmen des Emscher-Umbaus auch Projekte in Mülheim um: unter anderem den Bau eines neuen unterirdischen Regenüberlaufbeckens am Frohnhauser Weg, die Verlegung eines neuen Abwasserkanals parallel zum Borbecker Mühlenbach sowie dessen ökologische Verbesserung in den kommenden Jahren. Im Rahmen des Emscher-Umbaus investiert die Emschergenossenschaft in Mülheim insgesamt 18 Millionen Euro.

Nennenswert sind auch die Regenwasserabkopplungen, hier nur zwei Beispiele:
Heimaterde
Das Projekt umfasst eine Siedlung des öffentlichen Wohnungsbaus mit dreigeschossigen Gebäuden in Zeilenbauweise und großen, wenig strukturierten Grünflächen. Das Gelände liegt an einem Hang mit rund 7 Prozent Gefälle. Die Versickerung erfolgt über kaskadenartig angeordnete Mulden mit nachgeschalteten Schächten, die nur bei hohem Einstau in Funktion treten.

Grundschule und Sunderplatz
Der zum Emschergebiet gehörende Mülheimer Stadtteil Heimaterde ist durch eine steile Topographie mit einigen unbebauten Siepentälern geprägt, deren Vegetation maßgeblich zu einem angenehmen Stadtklima beiträgt. Diesen Siepentälern soll durch verschiedene Maßnahmen zur Regenwasserabkopplung möglichst viel sauberes Regenwasser zugeführt werden.

Als beispielhafter Vorreiter hat die Stadt dazu im Jahr 2009 das Gelände der Grundschule am Sunderplatz sowie die umgebenden Straßen- und Parkplatzflächen von der Kanalisation abgekoppelt. Das Regenwasser dieser Flächen wird über einen neuen Regenwasserkanal einem dieser Siepen zugeführt und dort „sich selbst überlassen“: Es folgt dem Gefälle auf dem Weg zum nächsten Fließgewässer und gelangt so in den Borbecker Mühlenbach, oder es versickert auf dem Weg den Hang entlang – was genau geschieht, hängt von den Wassermengen und der Jahreszeit ab und ist deshalb ständig verschieden.

Neue Radwege
Zu Beginn des Emscher-Umbaus noch gar nicht mit eingeplant, mittlerweile jedoch ein erheblicher Mehrwert-Faktor: der Bau neuer Radwegeverbindungen zur besseren Erlebbarkeit des neuen Emscherlandes. So sind im Rahmen des Emscher-Umbaus bis heute rund 128 Kilometer an neuen Radwegen in dieser Region entstanden!