Duisburg: Petri Heil an der Alten Emscher: Von der Köttelbecke zum Fischereigewässer

Duisburg. Von der einst biologisch toten Köttelbecke zum lebendigen Fischereigewässer – in Duisburg ist dies längst keine Zukunftsvision mehr, hier im Bereich des Landschaftsparks Duisburg-Nord ist dieser Aspekt des Emscher-Umbaus nun wunderbare Realität! Im Rahmen ihres beispiellosen, rund fünf Milliarden Euro schweren Generationenprojekts hat die Emschergenossenschaft vor einigen Jahren auch die Alte Emscher in Duisburg vom Abwasser befreit und naturnah umgestaltet. Die positiven Ergebnisse dieses größten Strukturwandelprojektes im Revier sind nun deutlich sichtbar. Die Ökologie hat sich hervorragend entwickelt – und auch das Leben kehrt in das einst als Schmutzwasserlauf gebrauchte Gewässer zurück: In der Alten Emscher schwimmen heute zahlreiche Fische, unter anderem wurden Welse und Hechte gesichtet! Die Emschergenossenschaft hat daher nun mit dem Rheinischen Fischereiverband einen Pachtvertrag geschlossen, die Alte Emscher ist damit offiziell ein Fischereigewässer!

Dr. Uli Paetzel (Emschergenossenschaft), Dr. Ralf Krumpholz (Stadt Duisburg) und Reiner Gube (Fischereiverband) halten bereits die Angeln ins Gewässer (Foto: Ilias Abawi / Emschergenossenschaft)

„Während man hier früher beobachten konnte, was über die Toilette oder Industrieabläufe auf die Reise geschickt wurde, sind es heute Wasservögel, Libellen und Fische. Unsere „neue“ Alte Emscher bietet wieder zahlreichen Tier- und Pflanzenarten geeigneten Lebensraum. Dies ist ein echtes Erfolgsprojekt – für Mensch und Natur“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Auf dem ehemaligen Industriestandort der Thyssen AG, dem „Hüttenwerk Meiderich“, fügt sich inmitten des Landschaftsparks Duisburg Nord der ökologisch verbesserte Gewässerabschnitt der Alten Emscher ein. Neben den Industriemonumenten aus einer vergangenen Zeit stellt hier der Gewässerlauf ein wichtiges Gestaltungselement dieser Parklandschaft dar. Als „Kiesgeprägtes Fließgewässer“, welches die Oberflächenwässer der Umgebung aufnimmt, bietet die Alte Emscher darüber hinaus für zahlreiche, teils seltene Tier- und Pflanzenarten neuen Lebensraum. Hervorzuheben ist hier die Unterwasservegetation, die in regelmäßigen Abständen von der ortsansässigen Biologischen Station untersucht wird. So konnten allein acht Arten der in der Roten Liste für das Ruhrgebiet geführten Wasserpflanzen gefunden werden. Darüber hinaus wurden bereits rund 30 Libellenarten an dem Gewässer beobachtet worden, wovon viele bodenständig sind. Auch die Anwesenheit von fünf Amphibienarten dokumentieren, dass sich die „Alte Emscher“ bereits als wertvolles Biotop inmitten des städtischen Umfelds entwickelt hat.

Großer Fischbestand
Von den meisten Arten, wie z.B. den Libellen, wusste die Emschergenossenschaft bereits durch die intensiven Erfolgskontrollen der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet e.V., so dass schnell klar war, dass sich dieser Umbauabschnitt zu einem Idyll entwickelt hat. Dennoch, so Dr. Uli Paetzel, war das Ergebnis der erstmals hier durchgeführten Befischung auch für die Experten eine Überraschung. Bei dem Monitoring im Jahr 2015 konnten in Summe 13 Fischarten nachgewiesen werden – darunter Flussbarsch, Sonnenbarsch, Rotfeder, Karpfen, Stichling, Döbel, Rotauge, Wels und Hecht.

Doch nicht alle Fische gehören in das Gewässer – vor allem der hohe (vermutlich von Menschenhand eingebrachte) Raubfischbestand führt dazu, dass vermehrt Entenküken „verschwinden“, aber auch einige nicht heimische Arten wie Grundel, Sonnenbarsch & Co. deuten auf einen ungelenkten menschlichen Einfluss hin…

Um nun für Ordnung im Gewässer zu sorgen, hat die Emschergenossenschaft mit dem Rheinischen Fischereiverband einen Pachtvertrag abgeschlossen. Der Verband wird einen Anglerverein ausmachen, der die Alte Emscher befischt. „Unser Plan ist, das Gewässer über einen Unterpachtvertrag an einen ortsansässigen Duisburger Anglerverein zu geben. Der Verein stellt dann vor Ort einen Gewässerwart, die Fischereiaufseher und kümmert sich um die Hege und Pflege des Fischbestands“, sagt Reiner Gube vom Rheinischen Fischereiverband.

Die vorbildliche Entwicklung der Alten Emscher freut auch Dr. Ralf Krumpholz, Umweltbeigeordneter der Stadt Duisburg. „Die Alte Emscher und die Kleine Emscher erinnern im Norden unserer Stadt heute noch daran, dass bis vor rund 70 Jahren noch Duisburg die Emschermündungsstadt war, bevor der Emscher-Hauptlauf 1949 nach Dinslaken verlegt wurde. Hier in Duisburg ist der Emscher-Umbau mittlerweile abgeschlossen, denn die Emschergenossenschaft hat die beiden Altarme Alte Emscher und Kleine Emscher vom Schmutzwasser befreit und naturnah umgestaltet. Besonders hier an diesem einstigen Ort der Industrie ist mittlerweile gut zu betrachten, dass die Entwicklung der Alten Emscher von der Kloake zum idyllischen Gewässer ein Symbol für den vollzogenen Strukturwandel in der Region und vor allem in dieser Stadt ist. Wir freuen uns sehr darüber, dass die Alte Emscher nicht nur zahlreichen Wasserpflanzen, Libellen und Amphibien Heimat gibt, sondern nun sogar wieder Lebensraum für mehrere Fischarten bietet.“

Hintergrund-Informationen
Im Stadtgebiet von Duisburg, der einstigen „Emschermündungsstadt“, hatte die Regulierung der Emscher im frühen 20. Jahrhundert ganz erhebliche Folgen. Damit trotz bergbaubedingter Bergsenkungen das Gefälle der Emscher in Richtung Rhein gewährleistet werden konnte, musste die Emschergenossenschaft die Mündung zweimal nach Norden verlegen. 1906 wurde die Emscher von Alsum nach Walsum verlegt. Vom ursprünglichen Hauptlauf – heute „Alte Emscher“ genannt – spaltete sich so eine neue, künstlich regulierte Flusstrasse ab, die heute als „Kleine Emscher“ bekannte Strecke. In den 40er-Jahren musste die Emscher erneut wegen Bergsenkungen nach Norden verlegt werden. Am 4. Oktober 1949 wurde die neue Mündungsstrecke in Oberhausen offiziell eingeweiht. Seitdem mündet der Hauptlauf der Emscher in Dinslaken-Eppinghoven in den Rhein.

Das Generationenprojekt
Mittlerweile jedoch haben sich die Randbedingungen geändert. Seit der Nordwanderung des Bergbaus Ende der 1980er-Jahre sind keine Bergsenkungen mehr zu befürchten, so dass nun auch unterirdische Abwasserkanäle gebaut werden können. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau um. Jedes Gewässer erhält ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind damit abwasserfrei und können anschließend naturnah umgebaut werden: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen weiter und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf. In dieses Generationen-projekt investiert die Emscherge-nossenschaft über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten rund fünf Milliarden Euro.

Bauarbeiten in Duisburg
Und auch dieses Mal bringt der Emscher-Umbau Veränderungen für das Stadtbild von Duisburg mit sich. Lange dienten Alte wie Kleine Emscher als offene Abwasserläufe für die industriellen wie privaten Abwässer der Region. Über die Kleine Emscher wird inzwischen jedoch größtenteils die Entwässerung des Duisburger Nordens geregelt. Ihre Abwässer werden seit 1999 über die Kläranlage Alte Emscher in Duisburg-Hamborn gereinigt. Im Rahmen des 2. Emscher-Umbaus wurden Kleine wie Alte Emscher mittlerweile komplett vom Abwasser befreit und ökologisch verbessert.

Investitionen an der Alten Emscher
Allein an der Alten Emscher investierte die Emschergenossenschaft insgesamt 188 Millionen Euro in den Bau von 14 Kilometern neuer unterirdischer Abwasserkanäle sowie die Renaturierung von zehn Kilometern an Flusslandschaften.