Dülmen: Erste Ergebnisse für Abwasserreinigung mit Aktivkohle

Dülmen. Die Kläranlage Dülmen des Lippeverbandes gehört zu den modernsten Abwasserreinigungsanlagen in NRW. Dies wurde beim heutigen Besuch von Norbert Römer, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Düsseldorfer Landtag, zusammen mit Andre´ Stinka, Generalsekretär der NRW-SPD und Dülmener MdL, und dem Vorstandsvorsitzenden des Lippeverbandes, Dr. Uli Paetzel, deutlich.

V.l.n.r. Andre Stinka, Dr. Uli Paetzel, Norbert Römer, Klärmeister Helmut Wissing, Betriebsmanager Christof Illigen. Foto: Lippeverband

Dr. Paetzel und seine beiden Gäste interessierten sich dabei besonders für die im Mai 2015 in Betrieb genommene Pulveraktivkohle-Stufe, welche die ohnehin schon gute Reinigungsleistung der Dülmener Kläranlage noch einmal steigert.

Erste Auswertungen des Lippeverbandes haben ergeben, dass durch die moderne konventionelle Reinigungsstufe bereits rund 80 Prozent der Spurenstoffe entfernt werden können. Durch die Aktivkohle-Stufe kommen durchschnittlich weitere 8 Prozent hinzu. Dabei fällt die Abbaurate jedoch je nach Stoff sehr unterschiedlich aus. Für wichtige Spurenstoffe wie z. B. Carbamazepin, Diclofenac oder Iopamidol liegen die Eliminationswerte weit über dem Durchschnitt.

So wird das Röntgenkontrastmittel Iopamidol in der biologischen Stufe der Kläranlage rund zur Hälfte abgebaut, nach der Behandlung mit Pulveraktivkohle werden mehr als 80 Prozent des Stoffs in der Kläranlage zurückgehalten. Das Anti-Epileptikum Carbamapezin lässt sich auf biologischem Weg nur sehr schlecht abbauen, erst die Aktivkohlebehandlung steigert die Abbaurate von rund 10 auf 40 Prozent. Auch vom Schmerzmittel Diclofenac wird mit Aktivkohle rund doppelt so viel abgebaut wie ohne.

Noch viel Forschungsbedarf
Dies sind nur erste Auswertungen - insgesamt ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, auch um die Wirkungsweise der neuen Reinigungsstufe unter verschiedensten Betriebsbedingungen zu testen und zu optimieren.

Die veranschlagten Gesamtkosten von rund 930.000 Euro für ein gemeinsames Forschungsprojekt von Lippeverband, Uni Bochum und Uni Essen-Duisburg bis Ende 2018 werden zu 80 Prozent aus Landesmitteln gefördert. Einen entsprechenden Förderbescheid hat der Lippeverband kürzlich erhalten.

Das Geld ist doppelt gut angelegt: einerseits für die Erhaltung einer sicheren Trinkwasserversorgung aus dem Halterner Stausee, in den das Wasser aus der Kläranlage über Tiberbach und Mühlenbach letztlich fließt. Andererseits um das Wissen und die Kompetenz der beteiligten Institutionen für den Umgang mit den noch neuen Techniken zur weiter gehenden Abwasserreinigung zu verbessern.

Gemeinsam mit der Bezirksregierung entwickelt der Lippeverband Maßstäbe, in welchen Fällen die Einführung der so genannten 4. Reinigungsstufe sinnvoll ist. Dazu gehört auch, alle Einflüsse aus dem gesamten Einzugsgebiet zu betrachten.

Wichtig ist außerdem, dass Medikamente erst gar nicht in den Wasserkreislauf gelangen. Deshalb wurde mit dem Lippeverbands-Projekt „Den Spurenstoffen auf der Spur“ (DSADS) in Dülmen auch der Ansatz verfolgt, die Menschen in der Region für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten zu sensibilisieren.

Hintergrund
Die Aktivkohlestufe auf der Kläranlage Dülmen wurde von Mai 2014 bis Mai 2015 mit einer Investitionssumme von 3,8 Mio. Euro gebaut. Davon hatte das Land NRW 70 Prozent, die übrigen 30 Prozent die EU im Rahmen des europäischen „No-Pills“-Projektes finanziert.