Kreis Recklinghausen: LKW fahren durch die Lippe

Kreis Recklinghausen. Die provisorische Brücke durch die Lippe bei Haus Vogelsang ist fertig: Seit heute fahren die LKW dort Bodenmaterial vom Olfener Lippeufer auf die Datteln-Ahsener Seite. Der Lippeverband versucht jetzt, die Arbeiten so zu beschleunigen, dass die Brücke bereits nach einer Woche wieder zurückgebaut werden kann.

Foto: Lippeverband

Foto: Lippeverband

Der Grund für die Eile ist das bitterkalte Wetter: Denn dadurch sind Böden und Baustraßen steinhart gefroren – der Abtransport fällt so wesentlich leichter als bei Tauwetter, wenn sich das gesamte Baufeld in einen „Brei“ aus zähem Lehm verwandelt, der Maschinen und Fahrzeuge ausbremst.

Damit das funktioniert, werden auf der Großbaustelle für die Lipperenaturierung Überstunden gefahren, auch der kommende Samstag ist noch als Reservetag im Gespräch. Wenn dann wie vorausgesagt ab dem Wochenende die Temperaturen steigen, sollen im Idealfall die Transporte schon abgeschlossen sein – Rohre und Steine werden anschließend wieder aus der Lippe entfernt.

Die Brücke durch den Fluss stellt sich genau genommen als steinerner Damm dar, der knapp unter der Wasseroberfläche die Lippe quert. Die LKW mit ihren großen Reifen können auf diesem Damm fahren, obwohl die „Fahrbahn“ unter Wasser liegt. Unter den Flussbausteinen liegen große Rohre in der Lippe, durch die das Wasser strömen kann, so dass kein nennenswerter Aufstau entsteht.

Die Abgrabungen auf dem Olfener Ufer nördlich der Lippe dienen ähnlich wie die schon erfolgten Arbeiten im „großen Lippebogen“ dazu, eine naturnahe Aue zu gestalten, die schon bei etwas erhöhten Wasserständen teilweise überflutet wird und einen idealen Standort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstellt.

Hintergrund
Das Renaturierungsprojekt „Fluss- und Auenentwicklung der Lippe bei Haus Vogelsang“ ist ein groß angelegtes Bauvorhaben über 5 km Gewässerstrecke und 30 Hektar Fläche, mit dem der Lippeverband den Fluss und seine Aue links und rechts der Lippe naturnah umgestaltet. Das Projekt, das der Lippeverband im Auftrag des Landes NRW als Eigentümer der Lippe umsetzt, hat ein Investitionsvolumen von rund 15 Mio. Euro und soll im Jahr 2019 abgeschlossen sein.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.