Das Sesekeprogramm

Die Umgestaltung eines ganzen Flusses mit seinen Nebenläufen ist ein anspruchsvolles und zeitintensives Projekt. Die Arbeiten begannen 1986 mit den Planungen zum Umbau des Braunebachs in Kamen. Es folgten der Heidegraben in Bergkamen sowie der Massener Bach in Unna. Die Umgestaltungen am Dorfbach und am Süggelbach, am Kuhbach und an der Körne wurden bis 2006 Schritt für Schritt vollendet. Den planerischen Rahmen für die Umbaumaßnahmen bildet das Sesekeprogramm, das folgende Aufgaben koordiniert:

  • Beseitigung der offenen Abwasserableitung
  • Bau von vier dezentralen Kläranlagen anstelle der zentralen Flusskläranlage in Lünen
  • Ökologische Umgestaltung der Wasserläufe
  • Wiederherstellung der Gewässer als Erholungs- und Erlebnisräume
  • Integration der Gewässer in die Städte
  • Sicherstellen des Hochwasserschutzes

Die neben dem Bau der Kläranlage notwendigen Maßnahmen des Umbauprojekts können in drei Handlungsfelder eingeteilt werden:

Bevor Gewässer umgestaltet werden können, muss das Abwasser aus den Schmutzwasserläufen entfernt und getrennt abgeleitet werden, so dass in den Gewässern nur noch Reinwasser und gereinigtes Abwasser verbleibt. Um die Entflechtung praktisch umsetzen zu können, mussten unterirdische Kanäle gebaut werden, die das Abwasser sammeln und ableiten. Die komplizierten Boden- und auch Gefälleverhältnisse haben die Planung dieser Kanäle sehr aufwändig gestaltet. Aufgrund der langjährigen industriellen Vergangenheit des Sesekegebietes spielen darüber hinaus die Altlastenthematik und die Recherche nach potenziellen Bauhindernissen eine wichtige Rolle. Im Jahr 2004 wurde die Entflechtung abgeschlossen.

Durch den hohen Versiegelungsgrad des Einzugsgebietes muss die Kanalisation im Bereich der Seseke große Mengen an Regenwasser aufnehmen. Um überdimensionierte Kanalsysteme zu vermeiden und den Bedarf an Rückhalteanlagen zu optimieren, wird eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung gefördert. Ziel ist es, das Niederschlagswasser ortsnah zu versickern oder gedrosselt in Gewässer einzuleiten, wann immer es mit vertretbarem Aufwand möglich ist. Wie zahlreiche Projekte zeigen, hat dies auch oft einen positiven Effekt auf das Wohnumfeld.

Regenwasser, das dennoch in den Mischwasserkanal eingeleitet wird, kann nicht ungedrosselt zur Kläranlage weitergeleitet werden. Regenwasserbehandlungsanlagen und Regenüberlaufbecken sorgen dafür, dass auch bei Starkregen kein hoch verschmutztes Mischwasser in die Gewässer gelangt.

Nachdem Kanäle und Regenwasserbehandlungsanlagen gebaut wurden, konnte der ehemalige Schmutzwasserlauf zu einem naturnahen Gewässer umgestaltet werden. Wichtige Einzelmaßnahmen waren die Entfernung der Betonsohlschalen, die Aufweitung und Umgestaltung der technischen Profile und die Beseitigung oder Umgestaltung von Querbauwerken, welche die Durchgängigkeit des Gewässers beeinträchtigten. Als Orientierung dienten dabei gewässertypische Leitbilder.