Die deutsche Wasserwirtschaft

Wasserwirtschaft ist in Deutschland traditionell eine öffentliche Aufgabe – eine Struktur, die sich bewährt hat. Die deutsche Wasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsbranche setzt bei Effizienz, Sicherheit, Qualität, Kundenservice und Nachhaltigkeit Maßstäbe und hat sich eine hohe Akzeptanz erarbeitet. Auch in Zukunft wird es eine gute Lösung sein, die Daseinsvorsorge in öffentlicher Hand zu belassen. Mit einer klaren Haltung, die auf Modernisierung anstelle einer Liberalisierung zielt, unterstützt die Politik auf nationaler und europäischer Ebene diesen Weg.

Ein wichtiges Instrument, um die Leistung der deutschen Wasserwirtschaftsbranche transparent zu machen und die erreichten Standards weiter zu steigern, ist regelmäßiges Benchmarking. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) unterstützt und fördert dieses Instrument, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren, die letztendlich den Bürgern zugute kommen.

 

Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft

Über das Benchmarking hinaus stellt die Wasserwirtschaft ihre Leistung regelmäßig in einem umfassenden Branchenbild vor. Dies sind die Kernaussagen des Branchenbildes der deutschen Wasserwirtschaft 2008.

  1. Die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind in Deutschland Kernaufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge in der Zuständigkeit der Gemeinden. Diese treffen die strategischen Entscheidungen über Organisationsformen, Beteiligungen und Kooperationen.
  2. Deutschland besitzt eine pluralistische Ver- und Entsorgungsstruktur. Öffentliche und private Unternehmen sind kein Gegensatz, sie ergänzen sich.
  3. Deutschland besitzt eine komfortable Ressourcensituation. Der langfristige und flächendeckende Schutz der Gewässer ist eine staatliche Aufgabe, zu dem die Unternehmen einen erheblichen Beitrag leisten.
  4. Der Wassergebrauch ist signifikant gesunken. Er stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Der Verbraucher geht sorgsam mit dem Trinkwasser um. Aus betrieblicher Sicht sind kaum noch Spielräume nach unten möglich, da für den Spitzenbedarf entsprechende Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden müssen. Eine politisch geförderte weitere Reduzierung des Wassergebrauchs ist nicht sinnvoll.
  5. Die Auswirkungen des Klimawandels und des demografischen Wandels sind in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Als regional aufgestellte, kommunal verankerte Branche kann die deutsche Wasserwirtschaft hierauf in ihrer derzeitigen Struktur gut reagieren.
  6. Die Ver- und Entsorgungsstruktur spiegelt die Siedlungssituation wider. Rund 100 Unternehmen liefern die Hälfte des Trinkwassers in Deutschland.
  7. Preise, Qualität, Umweltauflagen und Wasserentnahmerechte unterliegen strenger staatlicher Kontrolle.
  8. Alle Kosten (Gewinnung, Aufbereitung, Verteilung, Sammlung, Behandlung) sind aufgrund gesetzlicher Vorgaben durch die Wasser- und Abwasserentgelte gedeckt.
  9. Für die Kunden der deutschen Wasserwirtschaft haben Versorgungssicherheit und Qualität die größte Bedeutung.
  10. Längere Versorgungsunterbrechungen sind in Deutschland unbekannt. Grund dafür sind hohe technische Standards bei Aufbereitung und Verteilung sowie der im europäischen Vergleich sehr gute Zustand der Netze; so haben die deutschen Wasserversorgungsunternehmen mit Abstand die geringsten Wasserverluste.
  11. Trinkwasser steht den Bürgern stets in hervorragender Qualität und in ausreichender Menge zur Verfügung. Die gesetzlichen Vorgaben zu der Trinkwasserqualität werden flächendeckend eingehalten.
  12. Abwasser wird in Deutschland im Gegensatz zu vielen EU-Staaten fast flächendeckend mit dem höchsten EU-Reinigungsstandard behandelt.
  13. Mit Gesamtinvestitionen von über 100 Mrd. € seit 1990 ist die deutsche Wasserwirtschaft einer der größten Auftraggeber für die Privatwirtschaft, da Leistungen für Planung, Bau und Betrieb größtenteils an Fremdfirmen vergeben werden.
  14. Die Trinkwasserpreise und Abwassergebühren sind seit vielen Jahren stabil. Die Steigerungsraten liegen aktuell unter dem Inflationsindex. Berücksichtigt man den jeweiligen Wassergebrauch und die Leistungsstandards, so gibt der deutsche Bürger weniger für sein jährliches Trinkwasser aus als z. B. der französische oder englische Kunde.
  15. Leistungsmerkmale der deutschen Wasserwirtschaft sind langfristige Sicherheit der Ver- und Entsorgung, hohe Trinkwasserqualität, hohe Abwasserbeseitigungsstandards, hohe Kundenzufriedenheit, nachhaltiger Umgang mit den Wasserressourcen sowie wirtschaftliche Effizienz.
  16. Die deutsche Wasserwirtschaft befindet sich in einem ständigen Modernisierungsprozess. Es gilt, die hohen Standards zu erhalten und weiterzuentwickeln und dabei die Preise stabil zu halten.
  17. Freiwilliges Benchmarking wird in hohem Maße branchenweit angewendet. Die Zahl der Projekte und der teilnehmenden Unternehmen nehmen zu.

 

Gemeinsam herausgegeben von:
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e.V.
Deutscher Bund der verbandlichen Wasserwirtschaft e.V.
Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V.
Verband kommunaler Unternehmen e.V.
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

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