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Die Lippe und ihre Nebenläufe sind Flachlandflüsse mit geringem Gefälle. Schon in ihrem Naturzustand neigen sie daher dazu, ihre Umgebung zu überschwemmen. Ein Absinken des Erdbodens, wie es in Bergbaugebieten an der Tagesordnung ist, führt unweigerlich dazu, dass sich große, mit Wasser gefüllte Mulden bilden und der geregelte Abfluss des Wassers im Extremfall ganz zum Erliegen kommt.
Vor allem an der Seseke war die Situation bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts so dramatisch, dass gehandelt werden musste. Große Teile der heutigen Städte Dortmund, Lünen, Unna, Kamen, Bergkamen und Bönen entsorgten ihr Abwasser über die Seseke, so dass die Störung der Vorflut durch Bergsenkungen auch das Ende eines zuverlässigen Abwassertransports bedeutete. 1913 wurde daher nach dem Vorbild der EMSCHERGENOSSENSCHAFT die Sesekegenossenschaft gegründet, um Hochwasserschutz und Abwasserentsorgung sicherzustellen. Es war jedoch abzusehen, dass sich durch den expandierenden Bergbau ähnliche Verhältnisse wie an der Seseke auch in anderen Bereichen der Lipperegion ergeben würden. Wie an der Emscher stand auch hier zunächst das Kirchturmdenken einzelner Städte einer übergreifenden Lösung im Wege.
Der Baudirektor der EMSCHERGENOSSENSCHAFT Heinrich Helbing untersuchte das Problem vier Jahre lang und schlug dann 1917 die Gründung eines Verbandes für das gesamte industriell erschlossene Gebiet der Lippe vor. Das Landwirtschaftsministerium verlangte jedoch, dass sich die Genossenschaft bis zur Quelle der Lippe – einem überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gebiet – ausdehnen müsse, was Akteure mit völlig unterschiedlichen Interessenlagen unter einem Dach zusammengeführt hätte. 1926 wurde endlich eine Kompromisslösung gefunden, die den Zuständigkeitsbereich des neu zu gründenden, mit der Sesekegenossenschaft vereinten LIPPEVERBANDS auf das Gebiet von Lippborg bis zur Mündung der Lippe eingrenzt. Geschäftsführung und Verwaltung wurden in Essen bei der EMSCHERGENOSSENSCHAFT angesiedelt, um die enge Zusammenarbeit beider Wasserwirtschaftsverbände zu erleichtern. Der neue Verband konnte nun die Arbeit an der Seseke fortsetzen und bei zahlreichen anderen Gewässern beginnen. Bäche und Flüsse wurden zu offenen Abwasserläufen umgebaut, Deiche errichtet und Klärwerke gebaut.
Für gut 50 Jahre war es die Hauptaufgabe des LIPPEVERBANDES, Gewässer so umzubauen, dass sie den Anforderungen einer Bergbauregion genügen. Durch die Nordwanderung des Bergbaus ergibt sich eine völlig neue Herausforderung. Da keine gravierenden Bergsenkungen mehr zu befürchten sind, kann das Abwasser nun in unterirdischen Kanälen geführt werden. Schritt für Schritt werden Seseke und Lippe nur noch sauberes Wasser führen und können wieder zu naturnahen Gewässern umgebaut werden.
© Emschergenossenschaft/Lippeverband