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Essen. Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Wasserwirtschaftsverbände EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBAND, wird von „pro Ruhrgebiet“ zum „Bürger des Ruhrgebiets“ ernannt. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit und Langfristigkeit im Wirtschaften, Handeln und Denken“ bestimmte eine Jury unter Vorsitz von NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg, dass Stemplewski in diesem Jahr den Ehrentitel erhalten soll. Die Ehrung findet am 11. Mai 2010 statt.
Seit Stemplewski Anfang der 90er-Jahre das Ruder im Emscherhaus übernahm, verstand er sich als Motor des Emscher-Umbaus sowie als dessen Vermittler und Beförderer. Mit Erfolg warb Stemplewski um die langfristige Unterstützung und Rückendeckung für die Umsetzung des Projektes. Auf seine Initiative hin konnte zuletzt im März 2010 eine langfristige Fördervereinbarung mit dem Land Nordrhein-Westfalen getroffen werden. Danach unterstützt das Land den weiteren Fortgang des Emscherumbaus bis zum Jahr 2020 mit 400 Millionen Euro.
Die Nachhaltigkeit – Ökologie
Immer wieder betont Stemplewski, wie bedeutsam die Nachhaltigkeit des Emscherumbaus für die Entwicklung der Metropolregion ist: etwa in wasserwirtschaftlich-ökologischer Hinsicht, wenn sich nach Abschluss der Baumaßnahme wieder Leben in den ehemaliger Schmutzwasserläufen einstellt.
Eine nachhaltige, dezentrale Regenwasserbewirtschaftung als Antwort auf den unvermeidbaren Klimawandel geht ebenfalls auf Stemplewskis Konto. Das Ziel: Innerhalb von 15 Jahren sollen 15 Prozent an abflusswirksamen Flächen in der Region von der Kanalisation abgekoppelt werden. Regenwasser, das auf diese Flächen fällt, wird damit nicht mehr in die Abwasserkanäle abgeleitet, sondern versickert gleich vor Ort im Boden oder wird über andere Wege nahe liegenden Gewässern, Bächen oder Teichen zugeführt. Dies führt zu einer nachhaltigen Entlastung der Kanalisation.
Die Nachhaltigkeit – Ökonomie
Bei einem Investitionsvolumen von rund 4,4 Milliarden Euro sind die direkten wirtschaftlichen Effekte des Emscher-Umbaus beachtlich: Nach den Ergebnissen einer Studie der Universität Duisburg/Essen werden durch die jährlichen Investitionsausgaben von über 170 Millionen Euro innerhalb der Bauzeit allein durch die Bauausgaben bundesweit pro Jahr über 5500 Arbeitsplätze (3400 in NRW) geschaffen bzw. können durch die Umbaumaßnahmen erhalten werden
Die Nachhaltigkeit – Soziales
Die Emscher liegt vorwiegend im nördlichen Ruhrgebiet und somit vielerorts in den so genannten sozialen Brennpunkten des Reviers. Das Neue Emschertal als neue grüne Mitte des Reviers sorgt auch für eine nachhaltige Aufwertung der an der Emscher und ihren Nebenflüssen liegenden Stadtteile. Eines von Stemplewskis zentralen Anliegen war und ist die Aufwertung von verloren geglaubten Lebensräumen hinter Stacheldraht hin zu attraktiven Flächen, die zum Leben, Wohnen, Arbeiten am Gewässer einladen. Damit sorgt der Emscherumbau auch für nachhaltige Standortvorteile, beflügelt den Strukturwandel und wirkt Abwanderungstendenzen entgegen. Dass sich die Menschen der neuen Emscher gerne wieder zuwenden und dankbar annehmen ist unter anderem auf den die Gewässer begleitenden Rad- und Fußwegen zu spüren, die stets hoch frequentiert sind. Die Neue Emscher schafft auch eine neue regionale Identität. Bereits zwei Schulen haben die Emscher in ihren Schulnamen aufgenommen (Emscherschule Aplerbeck, Dortmund, und Gesamtschule Emschertal, Duisburg).
Lebenslauf von Dr. Jochen Stemplewski
Stemplewski wurde 1949 in Wuppertal geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bochum begann er seinen Berufsweg als Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Von dort wechselte er als Leiter der Haupt-, Personal- und Rechtsabteilung zum Kommunalverband Ruhrgebiet. Als Kreisdirektor ging er in den 80er-Jahren zum Märkischen Kreis in Lüdenscheid, bevor er zum Oberstadtdirektor der Stadt Hamm gewählt wurde.
Ende 1991 übernahm er die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden der beiden Wasserwirtschaftsverbände EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBAND. Die Verbände haben unter Stemplewskis Führung in den vergangenen Jahren den Weg hin zu einem innovativen und nachhaltig arbeitendem Dienstleistungsunternehmen eingeschlagen. Dies wurde begleitet durch die Einführung einer modernen Unternehmens- und Projektorganisation sowie die konsequente Nutzung moderner betriebswirtschaftlicher Methoden (Controlling, Benchmarking, Balanced Scorecard).
Ehrenamtlich engagiert sich Stemplewski als Präsident der AöW (Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V.) sowie als Vorsitzender des Hauptausschusses Wirtschaft und Mitglied des Präsidiums der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser u. Abfall e.V.) für eine moderne Wasserwirtschaft in öffentlicher Verantwortung. Er ist weiter Mitglied des Bundes- und Landesvorstandes des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und Vorsitzender des Abwasserbeirats Nordrhein-Westfalens.
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