Dortmund: Auch der Kirchderner Graben wird ab 2018 ökologisch verbessert

Dortmund. Im September hat der Lippeverband mit der naturnahen Umgestaltung von Körne-Oberlauf und Rüschebrinkgraben begonnen – inzwischen sind die Arbeiten schon ein gutes Stück vorangekommen. Im Mai 2018 startet das nächste Projekt: die ökologische Verbesserung des Kirchderner Grabens. Damit gehören die früheren „Köttelbecken“ im Nordosten des Dortmunder Stadtgebiets bald auch optisch der Vergangenheit an.

Das Foto stammt aus dem Jahr 1951 und zeigt die Mündungsstrecke des Kirchderner Grabens vor der Eindeichung. Damals war die Bachsohle stark abgesunken, so dass es zu Abflussstörungen kam. Im Hintergrund sichtbar sind eine Bruchsteinmauer der Zeche Scharnhorst und rechts ein Wohnhaus an der Straße „Im Westheck“. Foto: Lippeverband

Das Foto stammt aus dem Jahr 1951 und zeigt die Mündungsstrecke des Kirchderner Grabens vor der Eindeichung. Damals war die Bachsohle stark abgesunken, so dass es zu Abflussstörungen kam. Im Hintergrund sichtbar sind eine Bruchsteinmauer der Zeche Scharnhorst und rechts ein Wohnhaus an der Straße „Im Westheck“. Foto: Lippeverband

Denn sauber sind Körne, Rüschebrinkgraben und Kirchderner Graben sowie die kleineren Nebenläufe Erlenbach, Böckelbach und Borlandgraben schon seit Anfang 2016. Mit der Fertigstellung der insgesamt elf Kilometer langen Abwasserkanäle, die unterirdisch parallel zu diesen Gewässern verlegt wurden, wurden die oberirdischen Bäche abwasserfrei. Dafür allein wurden rund 80 Mio. Euro investiert – einschließlich Regenwasserbehandlungsanlagen.

Die ökologische Verbesserung der Gewässer kostet im Vergleich dazu wesentlich weniger: Rund 7 Mio. Euro sind es beispielsweise für die laufende Umgestaltung von Körne-Oberlauf und Rüschebrinkgraben. Bis Jahresende 2017 wurden an beiden Gewässern jeweils die ersten hundert Meter Strecke fertiggestellt. In dieser Woche laufen die Arbeiter wieder an, sie sollen im Herbst abgeschlossen sein.

Der Kirchderner Graben, der in dieser Jahr folgt, ist einschließlich seiner Nebenläufe fast acht Kilometer lang. Hier benötigt die ökologische Verbesserung daher mehr Zeit, sie wird erst im Jahr 2021 abgeschlossen sein.

Hintergrund: Warum damals Sohlschalen aus Beton?
In den 1920er Jahren, als der Bergbau und die Industrialisierung des Reviers die Region vor große Herausforderungen stellte, wurden Körne, Rüschebrink- und Kirchderner Graben in Dortmund sowie die Seseke im Kreis Unna durch den Lippeverband technisch ausgebaut. Damals stellte sich vor allem die Frage: Wohin mit dem Wasser, wohin mit dem Abwasser? Denn die durch den Kohleabbau verursachten Bodensenkungen beeinträchtigten den Abfluss der Gewässer – es kam zu Überschwemmungen durch verunreinigtes Wasser. Aus der Perspektive der damaligen Zeit lässt sich verstehen, dass man lieber die bestehenden Bäche und Flüsse der Region begradigt und zu offenen Schmutzwasserläufen kanalisiert hatte als weiter mit schwerwiegenden hygienischen und städtebaulichen Probleme zu leben. Die Sohlschalen aus Beton hatten außerdem den Vorteil, dass sich durch wiederholte Bergsenkungen abgesunkene Platten leicht wieder richten ließen.

Heute ist der Steinkohleabbau im Dortmunder Raum Geschichte, es gibt keine Bergsenkungen mehr und damit ist auch die Notwendigkeit verschwunden, das Wasser so schnell wie möglich abzuleiten – damit ist der Weg frei, die ins Betonkorsett gezwängten Bäche wieder naturnah zu gestalten.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.