Unna: Wasserwirtschaft an der Lippe zielt auf ein Gleichgewicht von Mensch und Natur

Unna. Der Lippeverband präsentiert sich auf seiner heutigen Verbandsversammlung in Unna als umfassender wasserwirtschaftlicher Dienstleister der Region und als Kooperationspartner für Kommunen und Wirtschaft. In der Versammlung wurde über zahlreiche Einzelprojekte berichtet – u. a. aus dem Kreis Unna, Dortmund, Hamm und dem Kreis Recklinghausen.

„Unser Ziel ist es, die Nutzungsansprüche von Mensch und Natur in ein nachhaltiges Gleichgewicht zu bringen“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Uli Paetzel zur Eröffnung. „Wir bringen die Interessen in Einklang - und als Ermöglicher führen wir dabei gerne die Fäden zusammen“. Entlang der Alliteration „Wasser – Wildnis – Wege - Wirtschaft“ nannte Dr. Paetzel Beispiele für bereits Erreichtes: Insgesamt rund 50 km Gewässer im Lippe-Einzugsgebiet wurden in den vergangenen Jahren revitalisiert, dabei waren Naturschutz und Artenvielfalt stets im Fokus. Zugleich macht der Lippeverband die Flusslandschaft für die Menschen erlebbar, z. B. über die 87 km Radwege, die bei den Renaturierungsprojekten entstanden sind. Der Verband achtet aber auch darauf, dass landwirtschaftliche und industrielle Nutzungen an der Lippe weiter sichergestellt bleiben.

Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel, zugleich Ratsvorsitzender des Verbandes, sieht ein großes Plus in der regionalen Verankerung: „Der Lippeverband nimmt seit 92 Jahren wichtige Aufgaben der Daseinsvorsorge wahr und steht bei seinen Mitgliedern aus Kommunen, Bergbau, Industrie und Gewerbe ebenso für Beständigkeit wie auch für Veränderung“.

Neue Wege bei der Klärschlamm-Nutzung
Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes: „In der Klärschlammverwertung müssen wir uns auf neue Verhältnisse einstellen: Nach dem weitgehenden Aus für die landwirtschaftliche Nutzung verpflichtet uns der Gesetzgeber mittelfristig zur Rückgewinnung von Phosphor aus der Klärschlamm-Asche, Kostensteigerungen sind da unvermeidbar“. Auch mit der Teilnahme am EU-Recyclingprojekt „Phos4You“ setzt der Lippeverband auf eine nachhaltige Versorgung mit dem Rohstoff, den Europa vollständig importieren muss.

Technische Ausbildungsplätze werden verdoppelt
Auch intern hat sich der Verband das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben: „Die Zahl unserer gewerblich-technischen Ausbildungsplätze werden wir von bisher 40 auf über 80 steigern – zu den drei Ausbildungsstandorten in der Region gehört auch Lünen“, berichtet Personalvorstand Raimund Echterhoff.

Fakten aus der Versammlung
• Kreis Unna: Der Kanalbau am Kortelbach in Unna, dem letzten offenen Schmutzwasserlauf im Sesekegebiet, hat die entscheidende Phase erreicht: Ende 2019 soll das Gewässer abwasserfrei sein.
• Dortmund: Auch der Oberlauf der Körne und der Rüschebrinkgraben gehören zum Einzugsgebiet der Seseke. Beide sind mittlerweile auf ganzer Länge sauber: Die ökologische Verbesserung der Körne läuft seit September, im Mai 2018 folgt der Rüschebrinkgraben.
• Hamm: Der „Erlebensraum Lippe“ wird das nächste Großprojekt im Rahmen des Lippeprogramms: 2000 m Deichstrecke werden zurückverlegt, dabei entstehen rund 20 Hektar Auwald, durch eine neue Flussschlinge wird die Lippe um 800 m länger.
• Datteln ist derzeit „Hochburg“ der Lippeverbands-Aktivitäten: Neben dem Lippeauenprojekt “Haus Vogelsang“ und dem Kanalbau am Dümmerbach renaturiert der Lippeverband ab Frühjahr die Mühlenbach-Mündung in die Lippe – auch dies im Rahmen des Lippeprogramms.

Beiträge plus 1,5 Prozent
Die Entwicklung der Lippeverbandsbeiträge betrifft die Bürgerinnen und Bürger der Kommunen an der Lippe direkt, da die Beiträge Teil der kommunalen Abwassergebühren sind: Die allgemeinen Beiträge für die Mitglieder der Lippeverbandes steigen im kommenden Jahr um durchschnittlich 1,5 Prozent.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.