Haltern: Maifisch ist erst am Haken, dann im Winterquartier

Haltern. Routiniert setzt Dennis Brüninghoff den Baggerarm in Bewegung. Das Heck des Baggers hebt sich, doch schon hat der Elektromeister die „Maifisch“ am Haken. Gestern endete für die Lippe-Fähre „Maifisch“ die Fährsaison in Haltern-Flaesheim und das Team des Lippeverbandes holte die vier Tonnen schwere Passagierfähre an Land. Nun stehen Wartung und Pflege des Lippe-Kreuzers an, mit dem in dieser Saison wieder mehrere tausend Menschen per Muskelkraft von einem Lippe-Ufer zum anderen gelangt sind.

Foto: EGLV

Foto: EGLV

O bis O – also von Ostern bis Oktober lautet die Eselsbrücke, mit der man sich die Saisonzeiten gut merken kann. In dieser Zeit überqueren die Passiere in Flaesheim per Handkurbel den längsten Fluss in Nordrhein-Westfalen. Da ab Oktober die Hochwassersaison beginnt, muss die Maifisch, aber auch ihre beiden Schwesternfähren des Lippeverbandes – die Baldur in Dorsten und die Lupia in Hamm – vom Wasser.

Natur ‚erfahren‘ mit der „Maifisch“
„Auf dem Wasser erfährt man die Lippe und unsere wunderschöne Landschaft noch einmal von einer ganz neuen Seite. Auch als Ergänzung des Rad- und Wanderwegenetzes ist die Fährverbindung eine wichtige Einrichtung“, findet Streckenmeister Günter Cremer. Immer wieder muss er jedoch die Frage beantworten, warum die Fähre so nahe an der nächsten Brücke liegt: „Jede Querung des Gewässers wirkt sich im Radius von rund fünf Kilometern auf die Natur aus. Daher ist es sinnvoll, Querungen räumlich nah beieinander einzurichten.“

April 2019: Maifisch ahoi!
Wenn Günter Cremer und sein Team im April 2019 die „Maifisch“ zu Wasser lassen, heißt es wieder „Schiff ahoi“. Dann kurbeln sich Radfahrer und Spaziergänger wieder kostenlos über die Lippe, denn der drei Meter breite Schwimmkörper wird auf diesem Wege am Drahtseil über die Lippe gezogen.

Hintergrund Fähren
Die Fähre „Maifisch“ ist die Vierte in der neuen Generation der Personenfähren über die Lippe: Die Fähre „Baldur“ in Dorsten hatte im Mai 2005 den Anfang gemacht, es folgte in Wesel der „Quertreiber“. 2013 legte der Lippeverband nach mit der Fähre „Lupia“ in Hamm-Oberwerries. Seit 2015 kann man mit der „Maifisch“ in Flaesheim die Lippe kreuzen. Der Name „Maifisch“ hat einen besonderen Bezug zur Lippe: Der selten gewordene Maifisch war vor hundert Jahren im Fluss weit verbreitet und soll hier auch wieder angesiedelt werden.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt.

Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.