Kreis Unna: „Intelligente“ Kanäle schicken optimale Wassermenge zur Kläranlage

Kreis Unna. Erstmals hat der Lippeverband das Einzugsgebiet einer Kläranlage mit einer „dynamischen Kanalnetzsteuerung“ versehen. Dafür wurde die 2003 erbaute Kläranlage Bönen ausgewählt, zu deren Einzugsgebiet neben Bönen selbst der Ortsteil Kamen-Heeren-Werve und der Norden von Unna gehört. Das neue System bewirkt, dass bei Starkregen mehr Wasser in der Kläranlage gereinigt wird und weniger verdünntes Schmutzwasser – mangels Alternative – ins Gewässer abgeleitet wird.

Foto: EGLV

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Wenn es stark oder lange anhaltend regnet, kommt jedes kommunale Kanalnetz früher oder später an seine Grenze. Die Abwasserkanäle können nur eine bestimmte Menge Wasser aufnehmen, ebenso die Kläranlage, die das Abwasser reinigt. Daher wird überschüssiges Wasser zunächst in so genannten Stauraumkanälen gespeichert. Sind diese voll, muss das Mischwasser – durch Regen verdünntes Schmutzwasser – wohl oder übel in den nächsten Bach abgeschlagen werden. Die Folgen für die Natur halten sich meistens in Grenzen, jedoch sollten solche „Ereignisse“ so selten wie möglich vorkommen – auch weil dadurch zahlreiche Keime ins Gewässer gelangen.

Um im Einzugsgebiet der Kläranlagen Bönen die vorhandenen Stauraumkanäle besser auszunutzen, hat sich der Lippeverband ein intelligentes System einfallen lassen: Das Abwasser kommt aus vier Teilabschnitten des Bönener Einzugsgebietes zur Kläranlage. Dabei fließt es jeweils durch einen Stauraumkanal, der das Wasser zurückstauen und notfalls ins Gewässer ableiten kann. Jeder Stauraumkanal wird automatisch so gesteuert, dass nur die Wassermenge durchgelassen wird, welche die Kläranlage auch verarbeiten kann.

Hier setzt die neue Kanalnetzsteuerung an, die der Lippeverband zusammen mit dem ITWH (Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie GmbH) Hannover/Dresden entwickelt hat: Wenn es in den vier Teileinzugsgebiet unterschiedlich stark regnet, „wissen“ die vier Stauraumkanäle voneinander. So merkt z. B. der SKU (Stauraumkanal) Bönen-Werver Mark, wenn am SKU Rexebach und am SKU Randsammler-Ost wenig Wasser ankommt, weil es dort nicht regnet und lässt entsprechend mehr Wasser durch – eben so viel, wie die Kläranlagen reinigen kann. Andernfalls hätte hier – nach starkem Regen in einem Teileinzugsgebiet – schon verdünntes Schmutzwasser ins Gewässer abgeleitet werden müssen, obwohl die Kläranlage durchaus noch Reserven hat. Die neue Steuerung macht also einerseits die Regenwasserbehandlung im Gebiet leistungsfähiger, andererseits werden die Gewässer geschont.

Der vierte SKU am Ligusterweg in Unna gehört zum Abwasserkanal Kortelbach und ist noch im Bau, er wird im nächsten Jahr an das schon bestehende Steuerungssystem angeschlossen. Erstes Fazit der Betriebsabteilung des Lippeverbandes: „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Steuerung stabil läuft und die prognostizierte Reduzierung der Entlastungsfracht ins Gewässer erreicht werden kann.“ Unter’ m Strich war der Umbau mit 200.000 Euro für Steuerungen und deren Programmierung vergleichsweise preiswert, da nirgends neu gebaut werden musste.

Hintergrund Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Das Verbandsgebiet umfasst das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe.

Der Lippeverband wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und - entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 157 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.