Kamen: 20 Jahren in Betrieb – Kamener Kläranlage wird wieder fit gemacht

Kamen. Vor rund 20 Jahren hat der Lippeverband seine neue Kläranlage Kamen-Körnebach gebaut, die am Zusammenfluss von Körne und Seseke den weitaus größten Teil des Kamener Abwassers reinigt. Jetzt investiert der Verband wieder einen Millionenbetrag in die Anlage – 2,8 Mio. Euro zum Teil für verbesserte Technik, zum Teil für die schlichte Erneuerung verschlissener Bauteile.

Maschinen und Bauteile auf Kläranlagen sind harten Belastungen ausgesetzt: Abwasser ist aggressiv gegen Beton und Stahl, so dass Korrosion und schadhafte Wände an Klärbecken nach zwei Jahrzehnten keine Seltenheit sind.

U. a. wurde auf der Kläranlage Kamen der veraltete Sandwaschklassierer erneuert. Dieser gehört zum so genannten Sandfang, der die Aufgabe hat, feinen Sand und kleine Steinchen aus dem Abwasser herauszuholen, bevor die eigentliche Abwasserreinigung beginnt. Der Sand kann im Straßenbau wiederverwendet werden, muss aber vorher „gewaschen“ werden.

Gleich nebenan stand die Erneuerung der Grobrechen mit den Rechengutwaschpressen an: „Rechengut“ ist mitgeschwemmter Müll im Abwasser, der nicht in die Kläranlage gelangen darf. Deshalb wird er mit einem Rechen „herausgekämmt“ und mit einer Waschpresse zusammengedrückt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Aufstellung all dieser Maschinen in der Rechenhalle geändert und optimiert. Jetzt brauchen sie weniger Platz, das spart zukünftige Betriebskosten. Allein diese Re-Investitionen belaufen sich auf 670.000 Euro.

Strom wird selbst erzeugt
Um deutlich mehr Geld geht es bei der Erneuerung der Blockheizkraftwerke auf der Kläranlage. Diese nutzen das Gas, das bei der Behandlung des Klärschlamms aus der Abwasserreinigung entsteht, für die Stromerzeugung und Wärmeversorgung. Auf diese Weise erzeugt die Kamener Kläranlage einen großen Teil ihres Stromverbrauchs selbst. Für ein neues Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 330 kW hat der Lippeverband 900.000 Euro in die Hand genommen. Das neue Kraftwerk ersetzt die beiden alten, deren Gesamtleistung etwas niedriger lag, zusätzlich wird der Aufwand für Wartung und Instandhaltung reduziert. Weil aber jede Anlage irgendwann einmal doch für eine Rundum-Inspektion außer Betrieb genommen werden muss, hat man beim Neubau bereits an eine Anschlussmöglichkeit für ein mobiles BHKW gedacht.

Auch an den Klärbecken gab es Erneuerungsbedarf: In den Belebungsbecken, dem Herzstück der biologischen Abwasserreinigung, wurden die Belüfterteller durch moderne, effizientere Belüfter ersetzt. Diese blasen Sauerstoff in die Becken – den brauchen die Abwasserbakterien, wenn sie die im Wasser gelösten Schmutzstoffe „fressen“ sollen. Außerdem werden die Beton-Ablaufrinnen der insgesamt acht Nachklärbecken – vier Doppelbecken mit insgesamt acht Kammern – durch neue, abgedeckte Rinnen aus Edelstahl ersetzt. Dadurch wird zugleich die Durchflussleistung verbessert und der Aufwand für die Reinigung verringert.

Kläranlage Kamen-Körnebach
Im Rahmen des Sesekeprogramms hat der Lippeverband von 1995 bis 1998 seine neue Kläranlage Kamen-Körnebach gebaut, die den weitaus größten Teil des Kamener Abwassers reinigt. Die Leistung der Anlage beträgt 160.000 Einwohnerwerte – neben den tatsächlichen angeschlossenen Einwohnern ist in dieser Zahl auch der Anteil des Gewerbeabwassers mit eingerechnet. Lediglich die Abwässer aus Kamen-Heeren-Werve werden nicht hier gereinigt, sondern in der Lippeverbands-Kläranlage Bönen. Am Standort der heutigen Kamener Kläranlage stand bereits seit 1942 eine einfache Kläranlage, welche das Abwasser lediglich vorreinigen konnte.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Das Verbandsgebiet umfasst das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe.

Der Lippeverband wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und –entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 157 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.