Marl: Lippeverband führt Fernsteuerung für seine Marler Kläranlagen ein

Marl. Der Lippeverband stellt seine drei Kläranlagen in Marl auf eine neue technische Grundlage: Im Zuge der Modernisierung von „Marl-Ost“ und „Marl-West“ sollen diese beiden Anlagen sowie die dritte Kläranlage Marl-Lenkerbeck so umgebaut werden, dass sie ferngesteuert betrieben werden können. Einschließlich aller Modernisierungen und Erweiterungen investiert der Lippeverband bis 2022 rund 27 Mio. Euro in seine Marler Anlagen.

Erneuerung von Rohrleitungen und Belüftern auf unserer Kläranlage Marl-Ost – diese Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Foto: Klaus Baumers/Lippeverband

Erneuerung von Rohrleitungen und Belüftern auf unserer Kläranlage Marl-Ost – diese Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Foto: Klaus Baumers/Lippeverband

In der Praxis bedeutet das: Von der Schwerpunkt-Kläranlage Marl-Ost aus kann nach erfolgtem Umbau die gesamte Abwasserreinigung für Marl gesteuert werden. Alternativ kann aber auch ein Kläranlagen-Mitarbeiter von seinem Tablet aus die Anlagen „fahren“.

Möglich wird dies durch die Installation von Kameras und Messsonden, durch die der Klärbetrieb so genau abgebildet werden kann, als stünden die Mitarbeiter direkt auf der Anlage – „Wasserwirtschaft 4.0“ macht das möglich. Nur laufende Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten werden natürlich weiterhin vor Ort ausgeführt.

Doch zunächst einmal müssen die 1957 (Marl-Ost) bzw. 1964 (Marl-West) gebauten und Anfang der 1990-er Jahre zuletzt erweiterten Kläranlagen saniert und modernisiert werden. Auf beiden Kläranlagen wurden 2017 bereits neue Blockheizkraftwerke installiert.

Auf die Kläranlage Marl-West entfällt der Löwenanteil des Investitionsprogramms für Marl. Dort werden im Juni die Zulaufschnecken erneuert, welche das Abwasser in die Kläranlage fördern. Danach werden Zug um Zug die kompletten Rohrleitungen erneuert, Rechenanlage und Brauchwasseranlage werden neu gebaut, die Faulbehälter instandgesetzt, die Vorklärbecken erweitert und die Nachklärbecken saniert. Außerdem wird im Zuge der Generalüberholung die biologische Reinigung in den Belebungsbecken optimiert. Den Abschluss der Arbeiten und das echte Novum aber stellt die virtuelle Prozessleittechnik dar, welche die Fernsteuerung der Anlage ermöglicht.

Für die Erneuerung der Kläranlage Marl-Ost ist der bauliche Aufwand geringer, doch auch hier sieht die Planung vor, Rechenanlage, Vorklärung und Silos zu erneuern. Die Nachklärung wird baulich saniert und – hier ändert sich gerade die Arbeitswelt in der Wasserwirtschaft – für die weiblichen Entsorgungs-Fachkräfte wird eine eigene Umkleide gebaut. Bisher ist diese provisorisch in einem Container untergebracht. Vor 20 Jahren waren technische Mitarbeiterinnen auf Kläranlagen noch eine große Seltenheit.

Nur geringer Erneuerungsbedarf besteht auf der 1980 gebauten und 2010 modernisierten Kläranlage Marl-Lenkerbeck. Hier geht es hauptsächlich um die Installation der neuen Prozessleittechnik.

Insgesamt betreibt der Lippeverband in seinem 3280 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet 54 Kläranlagen in allen Größen.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Das Verbandsgebiet umfasst das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe.

Der Lippeverband wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und –entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 157 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.