Datteln/ Oer-Erkenschwick: Naturnahe Gewässer sind der Lohn für jahrelange Baustellen

Datteln/ Oer-Erkenschwick. Mit der naturnahen Umgestaltung des Dattelner Mühlenbaches und seiner Nebenläufe schließt der Lippeverband die Beseitigung der offenen Abwasserführung in Datteln und Oer-Erkenschwick ab und schafft attraktive Gewässer. Über seine Planung informierte der Verband die Bürger gestern in der Dattelner Stadthalle.

An der gut besuchten Bürgerversammlung – von den über 160 Teilnehmern waren gut die Hälfte Anlieger der Gewässer - nahmen auch Dattelns Bürgermeister Andre Dora und der Leiter der Stadtentwässerung, Christof Murawski, teil.

Bereits im nächsten Jahr wird das erste große Ziel erreicht: Dattelner Mühlenbach, Dümmerbach, Westerbach und Steinrapener Bach werden komplett abwasserfrei. Denn nachdem die Abwasserkanäle an den übrigen Gewässers bereits gebaut sind, wird 2019 wird auch der geschlossene Kanal am Dümmerbach fertig. Die Verlegung der unterirdischen Kanäle ist Voraussetzung für die Umgestaltung der Wasserläufe. Parallel dazu stellt der Lippeverband beim Kreis Recklinghausen demnächst den Planfeststellungsantrag für die Umgestaltung der Gewässer. 2021 dürfte das Verfahren abgeschlossen sein, dann wird der Bau beginnen. Dabei sollen insgesamt 12,6 km Gewässerstrecken umgestaltet werden.

Obwohl die Platzverhältnisse am Mühlenbach und den Nebenläufen überwiegend schwierig sind, haben sich die Planer allerhand einfallen lassen, um das Bestmögliche herauszuholen. So soll der Westerbach im Bereich Gutacker auf seine alte Trasse im Tiefpunkt des Geländes verlegt werden. Dies schafft auch mehr Sicherheit bei Hochwasser.

Der Mühlenbach wird im Bereich “Im Winkel“ auf eine neue Trasse südlich verlegt, daneben bleibt der alte Wasserlauf erhalten für die Ableitung von Grund- und Regenwasser. An der Hagemer Binsenweide wird der Mühlenbach stark aufgeweitet, um dafür Platz zu schaffen, wird der südliche Deich verlegt.

Auf der Spundwandstrecke des Mühlenbaches zwischen Brücken- und Gertrudenstraße werden die Spundwände durch Winkelstützmauern – allgemein auch als „L-Steine“ bekannt – ersetzt, wodurch das Gewässer flacher und breiter wird. Auf dem folgenden Abschnitt bis zum Schifffahrtskanal wird der Bach in seiner Trasse aufgeweitet, dabei wird eine kleine Aue gestaltet. Nördlich des Wesel-Datteln-Kanals liegt der Bach sehr tief, so dass hier bis zur Lippeverbands-Kläranlage an der Straße Am Ringofen kaum Spielraum für Veränderungen besteht. Zwischen Kläranlage und Mündung in die Lippe läuft bereits die Aufweitung des Baches zu einem naturnahen Mündungsdelta.

Am Dümmerbach bietet der geringe Platz nur beschränkte Gestaltungsmöglichkeiten. Dennoch wird das Gewässer in seiner Trasse etwas breiter gemacht und eine Mini-Aue angelegt. In Höhe der Zechenstraße wird bereits im Zuge des Kanalbaus ein Stück Gewässer umgestaltet. Das Hochwasserrückhaltebecken im Hagem, in dem Mühlenbach und Dümmerbach zusammenfließen, wird im Zuge der Gewässerumgestaltung umgebaut: Der Zwischendamm, der den vorher schmutzigen Mühlenbach vom eigentlichen Becken trennt, ist nicht mehr nötig und wird weggenommen.

Neue Wegeverbindungen am Mühlenbach
Im Zuge der Gewässerumgestaltung legt der Lippeverband auch neue Fuß- und Radwege entlang des Mühlenbaches an – vor allem zwischen Gutacker und Stemmbrückenstraße, auf dem Deich des Hochwasserrückhaltebeckens, zwischen Wegebrücke und Telemannstraße, zwischen Wiesenstraße und Habeckstraße, und von der Höttingstraße bis zum Schifffahrtskanal.

Die Baumaßnahmen dürften rund drei Jahre dauern. In dieser Zeit sollen 177.000 Kubikmeter Böden abgetragen und zum größten Teil abtransportiert werden. Ein positiver Nebeneffekt der Gewässerumgestaltung: Der Hochwasserschutz verbessert sich nochmals – über die bereits vorhandenen Rückhaltebecken hinaus – durch die Aufweitung von Gewässerabschnitten, die damit mehr „Raum“ haben, um große Wassermengen aufzunehmen.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband für das Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.