Dülmen: Neue Ära der Energiegewinnung aus Klärgas mit 96.000 Umdrehungen

Dülmen. Mit dem Einbau von zwei Mikrogasturbinen zur Gasverwertung auf der Kläranlage Dülmen geht der Lippeverband neue Wege in der Energiegewinnung. Die neuen Anlagen, welche an die Stelle des 20 Jahre alten Blockheizkraftwerks treten, zeichnen sich durch eine besonders große Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit aus. Weil die Turbinen noch in 2017 in Betrieb genommen werden konnten, wird außerdem eine große Einsparung bei der so genannten EEG-Umlage erzielt.

Kläranlagen verbrauchen viel Strom, auf der anderen Seite bieten sie ein ganz erhebliches Potenzial für die Energiegewinnung. Eine herausgehobene Stellung unter den Lippeverbands-Kläranlagen im Münsterland hat dabei die Kläranlage Dülmen, welche nicht nur die Abwässer von rund 50.000 Einwohnern bzw. Gewerbeabwässer behandelt aus Dülmen und dabei aus dem gewonnenen Klärschlamm Gas gewinnt. Die Anlage behandelt außerdem die Klärschlämme von 15 kleineren Lippeverbands-Anlagen im Umkreis von Dülmen, welche über keine eigene Schlammbehandlung verfügen.

Die bisher für die Energieerzeugung genutzten beiden Blockheizkraftwerke waren so in die Jahre gekommen, dass sie nicht mehr regelmäßig Strom und Wärme produzieren konnten. Als Nachfolgeanlage hat der Lippeverband zwei Capstone-Turbinen installiert – eine Technologie, die ursprünglich aus der amerikanischen Luft- und Raumfahrt stammt. Bei diesen Turbinen laufen alle rotierenden Teile auf einer einzigen Welle – sobald 20.000 Umdrehungen pro Minute überschritten werden, bewegen sie sich nur noch auf einem „Luftlager“, das keinerlei Schmiermittel mehr benötigt und so die fast unvorstellbare Drehzahl von bis zu 96.000 Umdrehungen pro Minute erreicht.

Trotz sorgfältiger Vorbereitung des Projekts geriet die Installation der Turbinen zu einem Wettlauf mit der Zeit. Denn das so genannte EEG-Gesetz, welches die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien regelt, sieht auch Zahlungen für die Einspeisung von selbst genutztem Strom ins eigene Netz vor.

Nur für Anlagen, die bis zum Stichtag am 31. Dezember 2017 erneuert oder erweitert wurden, gibt es die Übergangsregelung, dass sich diese Umlage um 80 Prozent reduziert. Im Fall der Kläranlage Dülmen entspricht dies einem Kostenvorteil von rund 40.000 Euro im Jahr! Daher wurde alles daran gesetzt, noch im alten Jahr den Betrieb aufzunehmen. Projektleitung, Lieferfirmen und das Team der Kläranlage Dülmen konnten dieses Ziel gemeinsam erreichen: Am 9. Dezember 2017 liefen die beiden Mikrogasturbinen auf der Kläranlage Dülmen zum ersten Mal. Bisher sind sie noch die einzigen Anlagen dieser Art beim Lippeverband.

Lippeverband
Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe und wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.