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Bis ins 19. Jahrhundert floss die Emscher durch eine kaum besiedelte, von Auen, Bruchwäldern und sumpfigen Heiden geprägte Landschaft. Schon damals zeigte der Fluss seinen eigenwilligen Charakter. Durch sein schwaches Gefälle konnte sich kein dauerhaftes Flussbett ausbilden – die Emscher suchte sich ständig neue Wege und überschwemmte vor allem nach starken Regenfällen weite Gebiete.
Mit dem Beginn des Bergbaus verlor die Emscherregion ihren ländlichen Charakter. Die Bevölkerungsdichte nahm erheblich zu; immer mehr Zechen und Industriebetriebe siedelten sich an und leiteten ihre Abwässer in die Emscher und ihre Nebenläufe ein. Gleichzeitig verschlechterte sich durch großflächige Bergsenkungen als Folge des Kohleabbaus der Abfluss zum Rhein. Überschwemmungen wurden zum Regelfall, faulende Abwässer in überfluteten Senken führten zu untragbaren hygienischen Zuständen. Zahlreiche Einzelinitiativen zur Verbesserung der Situation scheiterten an der Größe der Aufgabe – eine nachhaltige Lösung konnte nur durch ein übergreifendes, von allen Beteiligten getragenes Gesamtkonzept erreicht werden. 1899 wurde daher von den anliegenden Städten und Kreisen, Bergbau und Industrie die EMSCHERGENOSSENSCHAFT gegründet. Der Emscherlauf konnte nun durch Begradigung und Verlegung des Unterlaufs auf 85 Kilometer verkürzt werden, gleichzeitig wurde der Fluss vertieft und eingedeicht. Die Seitenbäche wurden nach und nach zu begradigten, mit Sohlschalen aus Beton ausgekleideten Kanälen umgebaut, in denen das Abwasser offen geführt wurde. Die offene Abwasserführung führte zu Geruchsbelästigungen und wurde daher häufig kritisiert. Dennoch gab es lange Zeit keine Alternative; eine unterirdische Abwasserführung war durch die anhaltenden Bergsenkungen unmöglich. Geklärt wurden die Abwässer zunächst in zahlreichen mechanisch arbeitenden „Emscherbrunnen“. Seit 1965 wurde die Hauptlast der Abwasserreinigung zunehmend durch biologische Großkläranlagen übernommen.
Fast ein Jahrhundert lang prägten die ausgebaute Emscher und ihre schnurgeraden Nebenläufe das Gesicht der Region. Nach der Nordwanderung des Bergbaus wird die Emscher ihr Gesicht erneut verändern. Da keine gravierenden Bergsenkungen mehr zu befürchten sind, kann das Abwasser nun in unterirdischen Kanälen geführt werden, die Klärung der Abwässer erfolgt dezentral in Gebietskläranlagen. Schritt für Schritt werden die Emscher und ihre Nebenläufe nur noch sauberes Wasser führen und können wieder zu naturnahen Gewässern umgebaut werden.
© Emschergenossenschaft/Lippeverband