Abwasserkanal Emscher

Eine Hauptader von 51 Kilometern Länge

Hauptschlagader des neuen Entwässerungssystems ist der Abwasserkanal Emscher zwischen der Kläranlage Dortmund-Deusen und dem Klärwerk Emschermündung im Städtedreieck Dinslaken-Oberhausen-Duisburg. Auf einer Länge von 51 Kilometern wird er die Abwässer von mehr als 1,8 Millionen Einwohnern und umfangreiche Abwassermengen von Industrie und Gewerbe aufnehmen und sie der Kläranlage Bottrop und dem Klärwerk Emschermündung zuleiten. Die Abwässer werden dem Hauptkanal über unterirdische Kanäle zugeführt, die zeitgleich parallel zu den Nebenläufen der Emscher entstehen.

Für den Abwasserkanal Emscher hat man eine Trasse gewählt, die sich an dem alten Entwässerungssystem und damit am heutigen Verlauf des Flusses Emscher orientiert. Ähnlich wie bei oberirdischen Verkehrswegen war auch hier im Detail zu planen. Hindernisse, Altlasten oder Tabuflächen – beispielsweise bebaute Flächen, geologisch kritische Räume oder der Rhein-Herne-Kanal – mussten identifiziert und bei der Trassenfestlegung umgangen werden.

Am Startschacht in Dortmund hat der Kanal eine Tiefenlage von ca. acht Metern unter der Geländeoberkante. Dann bohrt er sich bei einem stetigen Gefälle von 1,50 Metern je Kilometer bis zu 40 Meter tief in die Erde. Es war unumgänglich, Pumpwerke zwischenzuschalten, die das Abwasser wieder aufwärts befördern. Ohne sie hätte der Kanal bei Dinslaken eine Tiefe von 75 Metern erreicht!

Das Projekt Abwasserkanal Emscher – hohe Technik, tief unten

Extrem tief, extrem sicher

Die extreme Tiefenlage des Abwasserkanals Emscher ist technisch anspruchsvoll, birgt aber viele Vorteile. So können beispielsweise Anlagen wie Straßen und Bahnlinien oder der Rhein-Herne-Kanal und seine Schleusen unterfahren werden, die Vortriebsarbeiten finden darüber hinaus in homogenem Baugrund statt. Zudem erlaubt die Tiefenlage es, die Seitenkanäle aus den seitlichen Nebeneinzugsgebieten der Emscher in freiem Gefälle anzuschließen.

Ingenieurskunst für 100 Jahre und länger

Der Abwasserkanal Emscher wurde als Stahlbetonkanal konzipiert. Die künftigen Abwässer beanspruchen den Kanal in hohem Maße, so dass für Materialfragen, Fragen des Korrosionsschutzes, der Be- und Entlüftung und auch des Arbeitsschutzes bereits in der Planungsphase eindeutige Antworten gefunden werden mussten. Für den Abwasserkanal Emscher legte man eine Mindestnutzungsdauer von 100 Jahren fest.

Für die System- und Betriebssicherheit des als Einrohrkanal angelegten Abwasserkanals Emscher hat die EMSCHERGENOSSENSCHAFT eine besondere Lösung erarbeitet. Im Fall des Ausfalles eines Kanalabschnittes wird das Abwasser mit Hilfe von Pumpen und von provisorisch verlegten Druckrohrleitungen weitergeleitet. Die Grenzen dieser Lösung sind 3 m³/s Förderstrom und 25 Meter Tiefenlage. Wo diese Grenzen überschritten werden müssen, wird der Abwasserkanal Emscher bereits heute als Zweirohrkanal errichtet.