Dortmund: Weinernte an der Emscher

Dortmund. Erntezeit an der Emscher: Mitarbeiter der Emschergenossenschaft sowie freiwillige Helfer haben in dieser Woche die Trauben am Weinberg der Emschergenossenschaft oberhalb des Phoenix Sees gepflückt. Aufgrund des wechselhaften Wetters in diesem – nun ja, „Sommer“ – fiel die Ernte zwar recht mager aus, für rund 100 Flaschen von „Neues Emschertal – Phoenix 2017“ wird es aber wohl reichen.

Im Bild zu sehen sind unter anderem Weinberg-Betreuer Helmut Herter und Regina Heimers, die das Weinanbauprojekt wissenschaftlich begleitet (Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft)

Im Bild zu sehen sind unter anderem Weinberg-Betreuer Helmut Herter und Regina Heimers, die das Weinanbauprojekt wissenschaftlich begleitet (Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft)

Helmut Herter, der in seiner aktiven Zeit bei der Emschergenossenschaft unter anderem die Emscher in Dortmund-Hörde renaturierte und am Phoenix See mitbaute, nahm die Trauben noch vor der Ernte mehrfach unter die Lupe. 70 Grad Oechsle Mostgewicht konnte er dabei messen – ein gutes Zeichen, um den Startschuss für die 2017er-Weinernte zu erteilen.

Wissenschaftliche Begleitung
Angebaut wurden wieder Trauben der Rebsorte „Phönix“ – der Name ist jedoch reiner Zufall, die Sorte wurde nicht (!) wegen des Standorts am Phoenix See ausgewählt. Vielmehr ist die Phoenix-Rebe eine sehr robuste Sorte, die sich fürs hiesige Klima eignet. Die klimatischen Bedingungen, unter denen der Weinanbau erfolgt, sind gleichzeitig Bestandteil eines Forschungsprojektes der Hochschule Neustadt an der Weinstraße (Studiengang Weinbau und Oenologie). Denn der Weinanbau an der renaturierten Emscher, der einstigen „Köttelbecke“, symbolisiert nicht nur die neue Lebens- und Aufenthaltsqualität an dem umgestalteten Gewässer, sondern leider auch den unschönen Aspekt des Klimawandels.

Denn: Ohne die Veränderungen im Mikroklima wäre ein Weinanbau so weit nördlich kaum denkbar!

Für die Emschergenossenschaft ist das Weinberg-Projekt daher nicht nur ein Symbol des Neuen Emschertals, sondern auch ein Weg, um der Bevölkerung anschaulich zu vermitteln, dass der Klimawandel real ist. Für den Wasserwirtschaftsverband hat der Klimawandel enorme Folgen: So wird für die Zukunft mit deutlich häufiger auftretenden Starkregenereignissen gerechnet, was in der Folge auch die Gefahr von potenziellen Überschwemmungen erhöht.

Aber zurück zum Wein: Dieser wird nun von einem Bio-Winzer in der Südpfalz gepresst, gekeltert und auf Flaschen gezogen. Genossen werden darf er dann im kommenden Sommer!

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.