An der Emscher: Emscherland 2020: Partner konkretisieren Zusammenarbeit

An der Emscher. Hinter den Kulissen von “Emscherland 2020“ läuft die Arbeit zurzeit auf vollen Touren. Gemeinsam mit den vier Städten Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne und Herten sowie dem Regionalverband Ruhr (RVR) erarbeitet die Emschergenossenschaft aktuell die konkreten Förderanträge für eine Reihe von Projekten – die Antragsfrist läuft noch bis zum 24. Oktober 2017. Über die Grundlagen der kommunenübergreifenden Zusammenarbeit bei „Emscherland 2020“ sind sich die sechs Partner bereits einig, die Spitzenvertreter haben nun offiziell eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft

Foto: Rupert Oberhäuser / Emschergenossenschaft

„Der Emscher-Umbau symbolisiert einen der wichtigsten Modernisierungsprozesse in der Geschichte unserer Region. In einigen Jahren gehören die einst offenen Schmutzwasserläufe der Vergangenheit an, die Emscher wird vom Abwasser befreit sein. Die Schlussphase unseres Emscher-Umbaus bedeutet den Startpunkt für ein neues Emscherland – das wollen wir gemeinsam mit der Region weiter entwickeln und feiern“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne, ergänzt: „Für Herne bedeutet das neue Emscherland eine deutliche Aufwertung unserer grünen Infrastruktur. Neue Chancen am Fluss werden entstehen. Wir sind gewillt, diese zu nutzen.“

Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des Regionalverband Ruhres, sagt: „Mit dem ‚AktivLinearPark‘ nutzen wir die ehemaligen Bahnflächen zwischen den Plätzen ‚Auftakt West‘ in Herten und ‚Auftakt Ost‘ in Recklinghausen, um eine durchgängige Fuß- und Radwegeverbindung zu schaffen. Mit diesem attraktiven Projekt bringt sich der Regionalverband Ruhr in die erfolgreiche Kooperation von Emscherland 2020 ein. Denn durch die neue Verbindung rückt die Haldenlandschaft rund um den Landschaftspark Hoheward deutlich näher an die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal heran.“

Mit der ganz aktuell unterzeichneten Kooperationsvereinbarung verpflichten sich die Partner nicht nur symbolisch zu einer engen Zusammenarbeit im Rahmen der Durchführung von „Emscherland2020“. Wesentliche Aspekte der künftigen Arbeit bestehen in der interkommunalen Koordination und Umsetzung der einzelnen Projektbausteine sowie in der Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Emschergenossenschaft übernimmt dabei die Rolle der Geschäftsführung mit Organisation des Lenkungskreises sowie die Steuerung, Koordinierung und Bündelung des Gesamtprojekts. Die konkrete Durchführung wird dabei durch einen Lenkungskreis mit Vertretern aller sechs Partner begleitet.

Hintergrund:
Ende 2020 wird das Hauptanliegen des Emscher-Umbaus, die Befreiung der Emscher und ihrer Nebenläufe von Schmutzwasser, weitestgehend erreicht sein. In der Schlussphase des Generationenprojekts geht es nun darum, alle Facetten in einen überschau- und begreifbaren Zusammenhang zu stellen und als „Schaufenster des Wandels“ zu präsentieren.

Am 1. Dezember 2016 hatten die Emschergenossenschaft, der RVR und die Städte Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne und Herten das interkommunale, integrierte Handlungskonzept (IHK) „Emscherland 2020“ beim Land NRW eingereicht. Der interministerielle Arbeitskreis „Grüne Infrastruktur“ sprach sich daraufhin am 29. März 2017 für eine Förderempfehlung bis zu einem Gesamtbudget in Höhe von 25,4 Millionen Euro aus – konkret handelt es sich um diese Projekte:
AktivLinearPark (Herten / RVR)
Grünverbindung Schellenbruchgraben (Herten)
Grünverbindung Schloss Strünkede (Herne / Herten / Recklinghausen)
Landschaftspark Streuobstwiese (Herne)
Aufwertung der Wegeverbindung zur Trabrennbahn (Recklinghausen)
Grünanlage Recklinghausen-Süd, Uferstraße Halde Hestermann (Recklinghausen)
Natur- und Wasser-Erlebnispark (Recklinghausen / Castrop-Rauxel)
Emscherterrassen (Castrop-Rauxel)
Wartburginsel (Castrop-Rauxel)
Wasserinformationsstützpunkt (Recklinghausen / Castrop-Rauxel)

Für die Weiterqualifizierung der Projekte haben die Emschergenossenschaft und die Kommunen bis zum 24. Oktober 2017 Zeit, entsprechende Anträge Bezirksregierungen einzureichen. Für das Sonderprojekt „Sprung über die Emscher“ (Brückenbauwerk in Castrop-Rauxel) gibt es bereits eine Förderzusage aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2017“ in Höhe von acht Millionen Euro.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.