Herne: Flussmanager beginnen nun mit Kanalbau am Börniger Bach

Herne. Die Emschergenossenschaft schreitet gut voran mit den Kanalbaumaßnahmen am Landwehrbach in Herne. In den ersten beiden Bauabschnitten nähern sich die Arbeiten dem Ende zu, im dritten Bauabschnitt sowie am Sodinger Bach haben sie kürzlich begonnen. Aktuell bereitet die Emschergenossenschaft daher die Verlegung eines weiteren rund 160 Meter langen Kanalabschnitts am Landwehrbach sowie weiterer, insgesamt rund 920 Meter langer Kanäle am Börniger Bach vor. Die Emschergenossenschaft investiert in diese Maßnahmen rund zehn Millionen Euro, sie sind Bestandteil des Generationenprojekts Emscher-Umbau.

Der Auftrag für diese jüngste Maßnahme wurde im Juli vergeben, aktuell werden die Baustellen vorbereitet. Die rund 160 Meter entlang des Landwehrbachs verlaufende Kanaltrasse beginnt kurz unterhalb der Sodinger Straße bis zum Beginn des vorhandenen Hochwasserrückhaltebeckens.

Darüber hinaus baut die Emschergenossenschaft neue Abwasserkanäle am Börniger Bach. Hier verlaufen die Rohre nicht wie das Gewässer selbst innerhalb des Hochwasserrückhaltebeckens, sondern entlang des westlichen Deichs bis hoch zur Berkelstraße. Dabei werden unter anderem zwei Eisenbahnlinien und die Bundesautobahn A42 gequert.

Regenwasserbehandlung
Kurz vor der A42 wird eine Regenwasserbehandlungsanlage errichtet. Diese hat die Funktion, sauberes Regenwasser vom Schmutzwasser zu trennen. Der Vorteil: Durch diese Trennung kann der Kanal nach der Regenwasserbehandlungsanlage kleiner ausfallen: Der ankommende Sammler hat einen Innendurchmesser von zwei Meter, die abgehenden Rohre dagegen messen nur 50 Zentimeter.

Zwei Bauweisen
Die Kanalverlegung parallel zum Landwehrbach mit Querung der Sodinger Straße sowie die beiden Querungen der Bahn und die der A42 werden im unterirdischen Vortrieb durchgeführt. Die übrigen Bereiche werden in offener Bauweise erstellt. Als vorbereitende Arbeiten waren die Bauflächen bereits in 2017 gerodet worden. Ein Nacharbeiten bzw. Freischneiden in einigen Bereichen wird aktuell nochmals erforderlich sein. Das Bauende ist für Frühjahr 2020 vorgesehen.

Arbeitszeiten
Die Emschergenossenschaft weist darauf hin, dass die Baufirma eine tägliche Arbeitszeit von 7 bis 19 Uhr vorsieht. Dafür wird aber auch nur von Montag bis Donnerstag gearbeitet. Im Regelfall finden von Freitag bis Sonntag keine Arbeiten statt. Ausgenommen hiervon sind die unterirdischen Vortriebe, diese müssen ohne Unterbrechung durchgefahren werden, um ein Festsetzen der Maschine auszuschließen. Die Emschergenossenschaft bittet um Verständnis für die Baumaßnahme und die damit einhergehenden temporären Beeinträchtigungen.

Funktionsweise einer Regenwasserbehandlung
Eine Regenwasserbehandlungsanlage dient der Trennung von sauberem Regenwasser von schmutzigem Abwasser. Im Kanal wird bei starken Niederschlägen das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal und anschließend zur Kläranlage transportiert werden.

Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“.

Ökonomisch und ökologisch äußerst sinnvoll
Mit Hilfe der Regenwasserbehandlungsanlagen erhalten die Gewässer also weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden. Das ist nicht nur ökologisch äußerst sinnvoll, sondern auch ökonomisch – denn die Abwasserkanäle müssen nicht durchgängig übergroß dimensioniert werden, was die Baukosten erheblich senkt! Zudem gehört sauberes Regenwasser ins Gewässer und nicht in die Kläranlage, wo es unnötigerweise noch einmal für viel Geld gereinigt würde.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden.