Bottrop: Flussmanager beginnen mit Renaturierung der Boye

Bottrop. Die Emschergenossenschaft beginnt bereits in Kürze mit der Renaturierung der Boye in Bottrop, Essen und Gladbeck. Der über viele Jahrzehnte offene Schmutzwasserlauf, der seit vergangenem Jahr wieder abwasserfrei ist, wird dabei zu einem naturnahen Gewässer umgestaltet.

Luftfoto der bereits neu modellierten Trasse der Boye im Pelkumer Feld (Foto: EGLV).

Luftfoto der bereits neu modellierten Trasse der Boye im Pelkumer Feld (Foto: EGLV).

Ab Anfang September 2018 startet zunächst der Umbau des 1,2 Kilometer langen Gewässerabschnitts von der Kreuzung der Boye mit der B 224 bis zur Kreuzung mit der Eisenbahnlinie 2250.

Darüber hinaus beginnt die Emschergenossenschaft parallel die Umgestaltung des 2,6 Kilometer langen Abschnitts der Boye nördlich der Autobahn A 2. In beiden Bereichen rechnet die Emschergenossenschaft mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren.

Neues Rückhaltebecken
Die Umgestaltung der Boye beinhaltet auch die Mündungsbereiche der in die Boye fließenden Gewässer Vorthbach, Kirchschemmsbach, Haarbach und Liesenfeldbach. Zudem baut die Emschergenossenschaft zwischen dem Pelkumer Feld und der Straße Im Gewerbepark ein zusätzliches Regenrückhaltebecken mit einem Speichervolumen von knapp 40.000 Kubikmetern.

In diese drei Maßnahmen investiert die Emschergenossenschaft rund 14 Millionen Euro.

Weiterer Abschnitt folgt
Ein dritter, etwa 3,7 Kilometer langer Gewässerabschnitt von der Kreuzung mit der B 224 bis zum Pumpwerk Bottrop-Boye (nahe der Kläranlage) wird die Emschergenossenschaft nachlaufend in den kommenden Jahren baulich umsetzen.

Wegesperrungen
Im Rahmen der Bauarbeiten müssen zeitlich begrenzt folgende Fuß- und Radwege über die Boye gesperrt werden: die Verbindung zwischen dem Kirchschemmsbach über die Zechenbahnbrücke sowie die Verbindung über die Ellinghorster Straße zwischen Bottrop und Gladbeck. Hier wird im Zuge der Maßnahmen eine vorhandene Brücke abgebrochen und durch einen neuen Durchlass mit Überfahrt ersetzt. Die voraussichtlichen Sperrzeiten werden mit der jeweiligen Kommune abgestimmt, eine Umleitungsbeschilderung wird die Emschergenossenschaft einrichten.

Vorlaufende Maßnahmen
Als wichtigste Voraussetzung für die Renaturierung der Boye wurde zwischen 2013 und 2017 ein neuer unterirdischer Abwasserkanal parallel zur Boye gebaut und in Betrieb genommen. Die Boye ist damit seit April 2017 abwasserfrei.

Im Bereich „Pelkumer Feld“ hat die Emschergenossenschaft darüber hinaus bereits einen Abschnitt der Boye nach Norden auf Gladbecker Stadtgebiet verlegt. Hier hatten die Flussmanager genug Platz, um dem Fluss mehr Raum zu verschaffen. Die über Jahrzehnte begradigte Boye darf sich in dem Areal etwas mehr „schlängeln“. Diese bereits neu modellierte Trasse des Gewässers wird im Zuge der anstehenden Maßnahme an die noch zu renaturierenden Bereiche angebunden und in Betrieb genommen.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.