Pumpwerk Oberhausen: Emschergenossenschaft bietet Einblicke in ihre tiefste Baugrube

Oberhausen. Rasant voran schreiten die Arbeiten der Emschergenossenschaft am Pumpwerk Oberhausen: Wo noch vor knapp einem Jahr eine rund 46 Meter tiefe und komplett leere, kreisrunde Betongrube wie ein gewaltiges Erdloch mitten im Holtener Bruch in Biefang klaffte, wächst mittlerweile der „Abwasser-Aufzug“ aus der Tiefe in die Höhe. Am Samstag, 16. Juni, bietet die Emschergenossenschaft im Rahmen limitierter Führungen interessierten BürgerInnen die Gelegenheit, einen Blick in die größte Baustelle des Emscher-Umbaus zu werfen. Eine telefonische Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Luftaufnahme der Pumpwerksbaustelle (Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV).

Luftaufnahme der Pumpwerksbaustelle (Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV).

Anmeldungen nimmt die Emschergenossenschaft ausschließlich am Montag, 11. Juni, sowie am Dienstag, 12. Juni, jeweils von 9.30 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0201/104-4000 entgegen. Die Emschergenossenschaft bittet um Verständnis dafür, dass nicht-angemeldete BesucherInnen keinen Zutritt zur Baustelle erhalten können. Aufgrund des Baufortschritts wird es zudem nicht (!) möglich sein, in die Baugrube hinab zu steigen – jedoch werden die BesucherInnen von einer Plattform aus einen hervorragenden Überblick über die spektakulären Bauarbeiten genießen dürfen.

Mindestalter 18 Jahre
Aufgrund der Arbeitssicherheitsregeln müssen BesucherInnen mindestens 18 Jahre alt sein. Start der ersten Führung ist um 9.30 Uhr, eine Führung dauert zirka 45 Minuten. Insgesamt werden zehn Führungen mit jeweils maximal 15 Personen angeboten. Die letzte Führung beginnt um 15 Uhr. Jede Führung beginnt mit einem rund 20-minütigen Vortrag zum Emscher-Umbau und zum Bau des Pumpwerks Oberhausen, bevor es dann zur Besichtigung desselbigen geht.

Aktueller Stand der Arbeiten
Die Arbeiten für das Pumpwerk Oberhausen sind im Zeitplan. Bereits deutlich erkennbar sind im Inneren der gigantischen Baugrube die zwei Wände, die den Saugraum (in der Mitte) von den beiden Pumpenkammern (jeweils seitlich) trennen. In rund 40 Metern Tiefe wird hier nach 2020 das Schmutzwasser aus dem Abwasserkanal Emscher (AKE) ankommen und muss anschließend auf ein oberflächennahes Niveau gehoben werden, damit es über einen knapp drei Kilometer langen Anschlusskanal in das Klärwerk der Emschergenossenschaft in Dinslaken transportiert werden kann.

Was nun die Fertigungsgrube für das Pumpwerk Oberhausen ist, war vor fast genau einem Jahr – am 12. Juni 2017 – die Zielgrube für den unterirdischen Vortrieb des Abwasserkanals Emscher. Nach diesem Durchstich und der Bergung der beiden Tunnelbohrmaschinen hatte die Emschergenossenschaft bereits zunächst eine 1,80 Meter dicke Bodenplatte betoniert, auf dieser Sohle entsteht jetzt das eigentliche Tiefbauteil für das Pumpwerk. Gleichzeitig zieht die Emschergenossenschaft aktuell neben den Innenwänden des späteren Pumpwerks auch dessen Außenwand hoch. Diese Wand gleicht einem inneren Ring der Baugrube und verringert ihren Durchmesser um 3,60 Meter auf später rund 42 Meter.

Die Inbetriebnahme des Pumpwerks Oberhausen sowie die Inbetriebnahme des Gesamtkomplexes AKE sind für 2020/2021 vorgesehen.

Abwasserkanal Emscher
Der Abwasserkanal Emscher ist insgesamt 51 Kilometer lang und reicht von Dortmund bis Dinslaken. Bereits fertig ist der Abschnitt zwischen Dortmund und Bottrop, daher wird dieser Abschnitt schrittweise schon in diesem Jahr in Betrieb genommen. Fertig verlegt wurden auch die Rohre bis zum Holtener Bruch in Oberhausen-Biefang – da das Pumpwerk Oberhausen jedoch noch im Bau ist, wird dieser Abschnitt später in Betrieb genommen. Ebenso verhält es sich mit dem letzten Teil des AKE bis Dinslaken, er ist ebenfalls noch im Bau. Der AKE hat zwischen Dortmund und Dinslaken ein Gefälle von 1,5 Promille, d.h. er sinkt um 1,50 Meter pro Kilometer. Ohne Pumpwerke würde er in Dinslaken in 80 Metern Tiefe ankommen!

Pumpwerke
Das Pumpwerk Oberhausen ist eines von drei Hebeanlagen im Laufe des Abwasserkanals Emscher – gewissermaßen also eine Art „Abwasser-Aufzug“, denn das Schmutzwasser wird aus Tiefen von rund 40 Metern in die Höhe gepumpt. Die beiden anderen Pumpwerke befinden sich in Gelsenkirchen und Bottrop, sie sind so gut wie fertiggestellt und sollen bereits in diesem Spätsommer in Betrieb gehen.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.